«PFUSCHI»

Den Alltag mit feinem Humor liebevoll überzeichnet

Über 50 Jahre lang brachte Cartoonist Heinz Pfister, besser bekannt unter seinem Künstlernamen «Pfuschi», groteske Alltagssituationen oder politische Kommentare mit wenigen Zeichenstrichen gekonnt satirisch, scharfsinnig und pointiert auf den Punkt. Über viele Jahre hat er dies auch für den Anzeiger Nordquartier getan.

Zum Frühlingsstart ist «Pfuschi», mit dem ich einen regen kollegialen Austausch pflegte, auf seine letzte grosse Reise aufgebrochen. Diese Seiten sind deshalb als ehrendes Zeichen ganz ihm gewidmet.

Text: Claudio A. Engeloch, Chronik und Cartoons: Pfuschi-Cartoons, Bild Seite 8: Rosmarie Bernasconi
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Heinz «Pfuschi» Pfister und «Der Weg in die Cartoonwelt»

Heinz Pfister, Kulturbeflissenen als «Pfuschi» bekannt, ist im Alter von 80 Jahren an den Folgen seiner schweren Krebserkrankung gestorben. Bereits 1969 zeichnete er erste Cartoons, die er damals mit «Pfi» signierte. Später wurde daraus «Pfuschi» oder «Pfuschi-Cartoons». Davon abgesehen haben sich diese im Lauf der Jahrzehnte in ihrer Bildsprache kaum verändert, seinem Figurenstil mit grossnasigen Wesen ist er stets treu geblieben.

1945 in Bern geboren und aufgewachsen in Zollikofen, interessierte ihn Kunst schon als Kind. Er wurde von einem Lehrer gefördert, musste aber erst einen «rechten Beruf» erlernen. Nach Welschlandjahr in Genf und Sprachaufenthalt in England, wo er zuerst als Gärtner und dann als Pfleger in einem Spital arbeitete, landete er beim damaligen Pharmakonzern Wander. Daneben erlernte er die Tiefdruckgrafik und hatte 1977 seine erste Kunstausstellung in der Galerie Claire Brambach in Basel.

Mutig stieg er 1979 von der Rohstoffplanung auf Kunst um und wurde freischaffender Kunstmaler und Cartoonist. Ab 1994 entstanden erste Trickfilme. Während vieler Jahre begleitete «Pfuschi» zudem Kongresse und Tagungen cartoonkritisch und zeichnete das Gehörte wie auch Ungesagtes live über den Beamer ins Plenum.

Die ersten Jahre waren hart: Im Marziliquartier eröffnete er ein Radieratelier. Ab 1983 zeichnete er als Cartoonist für die «Berner Zeitung», und für diverse andere Publikationen wie «Nebelspalter», «NZZ», «Schweizer Illustrierte», «SonntagsBlick» oder «Die Zeit».

2012 richtete «Pfuschi» in einem ehemaligen Fotogeschäft an der Spitalackerstrasse sein Atelier ein, das gleichzeitig auch als Ausstellungsraum diente: Zweimal jährlich präsentierte er in dieser «Galerie für Komische Kunst» liebevoll das Schaffen von nationalen und internationalen Kolleginnen und Kollegen.

Als Netzwerker hat Heinz «Pfuschi» Pfister auch für die Schweizer Cartoon-Szene viel getan. So war er Mitveranstalter des Cartoonfestivals Langnau (1998–2013) und Mitinitiator der Ausstellung «Gezeichnet», die jährlich im Museum für Kommunikation stattfindet. Und «Pfuschi» hat über Jahre hinweg auch den «Anzeiger für das Nordquartier» mit seinen Cartoons bereichert. Dasjenige, das er uns wenige Tage, bevor er auf seine letzte Reise gegangen ist, übermittelt hat, finden unsere Leserinnen und Leser auf Seite 27.

 

www.pfuschi-cartoon.ch/ 
Mehr zu «Pfuschi» im AfdN-Archiv: Nr. 4/2025

www.afdn.ch/news/4666
20/2021, 8/2015 und 2/2012

 

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1945
Am 10. Mai um 21.10 Uhr erblickt Heinz Pfister im Viktoria-Spital in Bern das künstliche Licht der Welt und wächst glücklich auf im nahen Zollikofen.

1956
Erstmaliger Kontakt mit Kunst. Sein Klassenlehrer, Toni Gerber, erteilt ihm speziellen Unterricht: getrennt von seiner Klasse «darf» er Pferdebilder von Franz Marc nachmalen.

1961–1963
Kunst ist nicht mehr gefragt. Ein anständiger Beruf muss erlernt werden. In einer Eisenwarenhandlung lernt «Pfuschi» das Einmaleins des Lebens.

1964–1966
Welschlandaufenthalt in Genf. Lebt in der Altstadt im Home Calvin, halb Altersheim, halb Jugendherberge.

1966–1967
Sprachaufenthalt in England, zuerst als Gärtner, dann als Hilfspfleger in einem Spital bei Norwich.

1968–1973
Arbeitet in Bern beim Pharmakonzern Wander und besucht Kurse an der Kunstgewerbeschule. Zeichnet 1969 seine ersten Cartoons und signiert diese mit «Pfi», später mit «Pfuschi» oder «Pfuschi-Cartoon».

1974–1979
Durch Firmenfusion «wandert» er freiwillig in den Dunstkreis der Basler Chemie.

1976–1977
Einzel-Ausstellung in der Galerie von Claire Brambach in Basel und erste Teilnahme an der ART Basel.

1978–1979
Mitbegründer der Imbergässli-Galerie in Basel. Ausgestellt werden Kunsthandwerk und Kunst, u. a. von Leiko Ikemura. Entscheidet sich Anfang 1979 für die künstlerische und buchhalterische Selbstständigkeit.

1979–1984
Aufbau eines Radierateliers im Berner Marzili-Quartier und Eröffnung der Montere Galerie: Ausstellungen u. a. mit Valentin Hauri, Urs Stadelmann, Alberto Solbach sowie Gruppenausstellungen mit den Kursteilnehmer:innen.

1983
Erste Cartoon-Aufträge für die «Berner Zeitung».

1985
Atelier-Umzug an den Stockerenweg Nr. 3 im Berner Breitenrainquartier. Schreibt und illustriert bis 1993 für die Monatszeitschrift «Leben heute» 40 Kurzgeschichten.

1987–1988
Organisiert die 1. Berner Cartoon-Schachtel-Ausstellung vom 26.3.–27.4.1988 in der Villa Bernau in Wabern bei Bern mit 15 Cartoonisten.

1988–1989
Die Berner dieser Ausstellung gründen das «Cartoonistenpack» und geben einen Katalog heraus (Daniel Rohrbach, Max Spring, Hörmen Schmutz, Beat Schenk, Andreas Buser und «Pfuschi»).

1989–1990
Die Cartoonisten treffen sich jeweils in der Mitte der Deutschschweiz und nennen sich «Cartoonisten-Gruppe Olten». Im Spätsommer 1989 planen sie, für das CH-Jubeljahr 1291 das grösste Cartoon-Plakat der Welt zu drucken. Trotz ausgerufenem Kulturboykott der Schweizer Künstler wegen des Fichenskandals wird das Projekt durchgezogen und am 13.5.1991 Bundesrat Cotti feierlich-zynisch im Kornhaus Bern überreicht.

1990
Verkauft die Druckpresse und beendet das Radieren in seinem Atelier.


WAS IST EIN CARTOON?

Der Begriff stammt ursprünglich aus England und bedeutet nichts anderes als «Karton». Auf diesen wurden Vorlagen für Gemälde gefertigt. 1843 verspottete John Leech einen Wandgemäldeentwurf für das Londoner Parlamentsgebäude mittels einer pointierten Zeichnung in der satirischen Wochenzeitung «Punch» – und der Ausdruck war geboren. In unserem Sprachraum steht Cartoon für sozialkritische und umweltpolitische Zeichnungen, die mit einem erfrischenden Humor gestaltet sind. Es handelt sich um Eigenkreationen der Künstler und die Situationen sind aus der «Du-und-ich»-Perspektive konzipiert.


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Sein erstes Cartoonbuch «Es war einmal» erscheint im Zytglogge Verlag. Bis 2012 folgen im gleichen Verlag fünf weitere Bücher: «Nur keine Panik», «Ich & Du», «Ein-, Aus- + Absichten», «Einfach» und «Jederzeit».

1994
Mayer & Zeller in Basel produzieren mit der Cartoonisten-Gruppe Olten kurze Trickfilme für Fernsehsender, die aber nie einen Käufer finden. Bei Robi Engler in Lausanne produziert «Pfuschi» seinen ersten 35-mm-Trickfilm (90 Sekunden), der an den Solothurner Filmtagen gezeigt wird.

1995
Da in der Schweiz kein grosses internationales Cartoonfestival existiert, sondern lediglich die vom «Nebelspalter» unterstützte Cartoon-Biennale in Davos, versucht «Pfuschi» mithilfe von Walter Rösli, dem Berner Tourismusdirektor, die Kunsthalle Bern für die Organisation eines solchen Festivals zu gewinnen. Bei einem Glas Wein im «Schweizerhof» merken jedoch beide schnell, dass der Kunsthalle-Direktor Ulrich Loock «cartoonblind» ist.

1996
Cartoonist Jürg Kühni, der für die Idee zu begeistern ist, weiss einen Ort. Am 28. März treffen sich Jürg Kühni und «Pfuschi» in Langnau mit Daniel Wenger und Jürg Aemmer vom Paragraf K. Am 21. Mai findet im Atelier von «Pfuschi» eine zweite Zusammenkunft statt, bei der auch die Cartoonisten Efeu, Hannes Borer und Martin Senn dabei sind. Es wird beschlossen, das 1. Int. Cartoonfestival Langnau 1998 in der Kupferschmiede durchzuführen. Für die Berner Fasnacht gestaltet «Pfuschi» Plakette und Plakat.

1997
Zeichnet zum ersten Mal Live-Cartoons mittels Hellraumprojektor vor Publikum an einer Tagung für das FIF der Universität Bern.

1998
Vom 28.8. bis 5.9. findet das 1. Int. Cartoonfestival Langnau statt. Mit über 70 Cartoonisten zum Thema «Sprach-los». Die Ausstellung wird von mehr als 6000 Personen besucht.

1999
Atelierfest «25 Jahre Pfuschi-Cartoon» am Stockerenweg.

2001
Realisiert mit Diesel & Dust den Dokumentarfilm «Komische Kunst! Komische Künstler!». Mit dabei sind Magi Wechsler, Ernst Feurer «Efeu» und Alex MacCartney. 2. Int. Cartoonfestival Langnau vom 1. bis 9.9. Ausstellungsthema: «Die sieben Todsünden».

2003
Zusammen mit Hörmen Schmutz Reise nach Bulgarien zur Jurierung der Cartoonausstellung «Thun – Gabrovo».

2004
3. Int. Cartoonfestival Langnau vom 21.8. bis 5.9. Ausstellungsthema: «Zeit-Zeichen».

2005
Jubiläumsausstellung «60 Jahre Heinz Pfister-Pfuschi-Cartoon» mit Malerei, Objekten und Cartoons in der Galerie Farb von Hans Scheitlin in Worb.

2007
Januar–März: Einzelausstellung im Cartoon- und Karikaturenmuseum in Basel. Michael Schacht alias «Maloney» liest Kurzgeschichten von «Pfuschi», die in den 1980er-Jahren im Monatsheft «Leben heute» publiziert wurden. 4. Int. Cartoonfestival Langnau vom 1. bis 16.9. Ausstellungsthema: «Das Wunder der Liebe».

2008
Mit Marco Ratschiller, Chefredaktor beim «Nebelspalter», und dem Cartoonisten Sven Wegmann ist «Pfuschi» Initiant und Mitorganisator von «gezeichnet». Diese jährliche Ausstellung von Pressezeichnungen findet bis 2011 in Zuzwil statt, danach in Bern.

2010
5. Int. Cartoonfestival in Langnau vom 28.2. bis 12.9. Ausstellungsthema: «Wahnsinn».

2012
Atelierumzug vom Stockerenweg an die Spitalackerstrasse 74 in das ehemalige Fotogeschäft Schmid. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin Kathrin Gfeller wohnt «Pfuschi» bereits seit 1982 im 2. Stock.

2013
Mai: Eröffnungsausstellung in der Galerie für Komische Kunst im neuen Atelier mit über 30 bekannten Cartoonisten aus Europa. Im Dezember folgt die erste Einzelausstellung mit Crihana aus Rumänien. 6. Int. Cartoonfestival in Langnau vom 7. bis 22.9. Ausstellungsthema: «So ein Saustall».

2014
Austritt aus dem OK des Int. Cartoonfestivals. Das 7. Festival, für 2016 geplant, wird auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben.

2015
«Pfuschi» publiziert zu seinem 70. Geburtstag das Taschenbuch «In meiner Suppe liegt eine Pointe».

2016
Nach 28 Jahren findet die 2. Cartoon-Schachtel-Ausstellung in der Galerie für Komische Kunst statt. 27 Künstler:innen machen mit.

2017
Dokumentarfilm von Miriam Ernst «Pfuschi und die Suche nach der Pointe». Für die Ausstellung «gezeichnet 2017/18» im Museum für Kommunikation in Bern dreht Michele Andina den kurzen Porträtfilm «Pfuschi».

2018
Grosses Interview im Jahrbuch 2018 «COMIC!» der Deutschen Comic-Szene.

2022
www.pfuschi-cartoon.ch wird in die Sammlung von Webarchiv Schweiz aufgenommen. Theaterauftritt mit Heinz Däpp in der «La Cappella» in Bern.

2024
Ausstellung mit 52 Kreativen zum Thema «Was geschah am 31. April?» in der eigenen Galerie www.komische-kunst.ch

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