10. BREITSCH-TRÄFF-FILMTAGE

Jubilieren mit Masslosigkeit, einem Präsidenten und einem DJ

Zum Jubiläum der Filmtage im Breitsch-Träff präsentiert das Filmteam unter dem Thema «FRIEDE, FREUDE, CINEMA» drei Werke, die das Leben und die Freude daran feiern. Jeder der sehr unterschiedlichen Filme tut dies auf seine Art, jeder mit seiner eigenen Tiefe und jeder mit viel Auslauf für Reflexion.

Martin Jost
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Hier finden die Filmtage statt: Remigio Funiciello und Heidi Kronenberg vor dem Breitsch-Träff. Bild: mj

«In einer kleinen Gruppe entstand vor zehn Jahren die Idee», erinnert sich Remigio Funiciello, «Filme zu zeigen, die sich mit dem Schicksal von Immigranten befassen.» So seien die Filmtage entstanden, sagt er, der selbst Immigrant war und Mitglied des Filmteams ist. Dass man von der ursprünglichen Idee, ausschliesslich Schweizer Filme zu zeigen, abgerückt ist, eröffnete neue Perspektiven in der Auswahl. Und war auch den hohen Qualitätsansprüchen des Teams an die ausgewählten Filme zuträglich.

Ansonsten bleibt man dem Ablauf des Anlasses treu: pro Abend je ein Film, anschliessend ein Gespräch mit einer Fachperson zur Thematik des aufgeführten Werkes. «Es war uns immer sehr wichtig, kompetente Personen für die Diskussion einzuladen», hebt Heidi Kronenberg diesen zweiten Teil des Abends hervor, der aus einer Filmvorführung einen Anlass werden lässt. Sie ist ebenfalls seit Jahren Mitglied des Filmteams und weiss, wie wertvoll es ist, kompetente und kommunikative Persönlichkeiten für die Diskussionen einzuladen. «Mir hat immer sehr gut gefallen, dass das Publikum an den Filmtagen jeweils sehr gemischt ist und gerne mitdiskutiert.»

Immer mit Tiefgang

 Sie stellt erfreut fest, dass in den letzten Jahren die Anzahl der Besuchenden tendenziell gestiegen ist und auch das Filmteam nicht nur gewachsen, sondern auch jünger geworden ist. «Es war uns immer wichtig, dass das jeweilige Thema zu den Filmtagen auch einen politischen Aspekt hat. Und zwar in dem Sinn, dass die Thematik nicht nur ein Individuum betrifft, sondern die Gesellschaft und ihre Verantwortung.» Anlässe wie die Filmtage, ergänzt Remigio Funiciello, seien nur deshalb möglich, wenn der finanzielle Aufwand überschaubar ist. «Ohne den Breitsch-Träff könnten wir das nicht machen», bringt er diesen Aspekt auf den Punkt und meint damit unter anderem den Wegfall von Mietkosten für das Lokal. «Wir kommen mit dem Anlass finanziell über die Runden, aber wir müssen kämpfen dafür.» Ums Kämpfen geht es auch im Film «El Presidente» von der Bieler Regisseurin Heidi Specogna. Es ist das Porträt über José «Pepe» Mujica, den ehemaligen Staatspräsidenten von Uruguay. Und jetzt kommt Remigio Funiciello so richtig ins Schwärmen. Er umreisst das Leben von «Pepe», der den Ruf als ärmster Präsident der Welt hatte, da er den Grossteil seines Einkommens sozialen Projekten zukommen liess. Für die Präsidentschaft musste er kämpfen – und leiden.

Blumenzüchter, Gefangener, Präsident

Der Blumenzüchter war Mitgründer einer Guerilla-Bewegung in Uruguay und war während der Zeit der Diktatur 14 Jahre als politischer Gefangener inhaftiert. Die Frage, ob denn nicht die Gefahr bestehe, dass die abenteuerliche Biografie von Mujica rückblickend etwas gar romantisiert dargestellt werde, antwortet Remigio Funiciello bestimmt: «Macht nichts. Wir brauchen viel mehr von dieser Art Romantik. Ich war zu seiner Zeit ein halbes Jahr in Uruguay und stelle fest, dass Pepe Mujica mit seiner Art einen positiven Einfluss auf mein Leben hatte.» Der Beitrag des Präsidenten zur Lebensfreude habe darin bestanden, trotz aller Widrigkeiten an seinem Ziel festzuhalten und den Menschen Lebensqualität zu bieten.

In einem völlig anderen Milieu spielt der Film «Tausendschönchen», in den Rezensionen als kultige und bizarre Komödie bezeichnet. Das Werk stammt aus der Tschechoslowakei im Jahr 1966, bevor sowjetische Truppen rund zwei Jahre später den Prager Frühling gewaltsam beendeten. Prompt wurde der Film danach verboten; zu schrill, zu ungezügelt und zu subversiv erschien er den Mächtigen, welche die Gleichschaltung und die Kontrolle der Menschen über alles stellten.

Der Mut zur Freude

Marie 1 und Marie 2 heissen die jungen Protagonistinnen. Sie sind gelangweilt und empfinden die Welt als sinnlos und verdorben. Worauf sie beschliessen, selbst so zu leben; sie treiben die Verdorbenheit auf anarchische und exzessive Weise auf die Spitze. Bis die Zerstörungsorgie kein Zurück mehr zulässt. «Sie spielen Spass», sagt Heidi Kronenberg, «nach meiner Wahrnehmung ist es jedoch ein Spass um des Spasses willen, der keine echte Lebensfreude vermittelt.» Echte Lebensfreude fällt nicht einfach vom Himmel. Oft muss dafür gekämpft werden, meist braucht es Mut dazu. Solches vermittelt der Film «DJ Ahmet». Die charmante Komödie über die Emanzipation der Jugend führt uns in einen sehr ländlichen Teil von Nordmazedonien. Dort muss der 15-jährige Ahmet nach dem Tod seiner Mutter als Schafhirte arbeiten. Schule ist nicht angesagt, hingegen eine nächtliche Exkursion in einen Wald. Dort stösst er auf eine illegale Techno-Party und vor allem auf die gleichaltrige, rebellische Aya, für die eine arrangierte Ehe vorgesehen ist. Von ihr ist Ahmet genau so fasziniert wie von der elektronischen Musik. Gemeinsam widersetzen sie sich den traditionellen Vorgaben der Gesellschaft und inszenieren einen gewagten Auftritt am Dorffest.

«Wir fragten uns», gibt Heidi Kronenberg Einblick in das diesjährige Auswahlverfahren, «ob es angebracht ist, in diesen kriegerischen Zeiten mit all ihren schrecklichen Auswirkungen Filme zu präsentieren, die das Leben feiern. Wir waren uns schnell einig: Ja, jetzt erst recht.»

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INFO

10. Breitsch-Träff-Filmtage
29. bis 31. Oktober 2026
Barbetrieb ab 18.30 Uhr
Filme um 19.15 Uhr
Anschliessend Gespräche/Diskussion
Eintritt frei, Kollekte


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