Corinnas Quartier Talk

Corinnas Quartier Talk mit Rosmarie Reber

AFDN_P10166319_AfdN_10_2026 16-1_rgb_10lemotq05fve.jpg

Rosmarie Reber ist ausgebildete Lehrerin und erlernte das Weben in einem zweiten Studiengang, war später Absolventin der Textilfachklasse in Basel und lebt in Bern und in Strambino I. Die Textilfach-Kunst-Preisträgerin, ehemalige Kursleiterin der Schweizerischen Lehrer:innenfortbildung und von Lernwerk Bern, reist/e viel und entschied sich der Liebe wegen (sie ist die Partnerin des Künstlers Roberto Zanello), ab 2003 in zwei Ländern zu Hause zu sein. Seit 2023 reist sie nur noch ferienhalber nach Italien. Rosmarie engagierte sich bis 2023 auch für interkontinentale Kulturprojekte mit Asylbewerber:innen und zeigt ihre Kunst (Bilder und Installationen) sporadisch seit 1992 im In- und Ausland. Diesen Sommer hat sie ihre Wohnung für eine deutsche Filmcrew komplett geleert und vermietet. In ihren vier Wänden wurden Szenen des Films «Max und die wilde 7» (von Winfried Oelsner), der nächsten Herbst in den Schweizer Kinos gezeigt wird, gedreht.

Am 21. November öffnet Rosmarie ihre Ateliertüre an der Allmendstrasse 14 und zeigt mit Matthias Graber (Siebdrucke) einige ihrer gemalten Werke. Sie ist Mitglied der VISARTE Bern. Am 21. November findet unter dem Titel «Seitenwechsel» eine Ausstellung an der Allmendstrasse 14 statt, die von dir initiiert wird. Welchen Seitenwechsel thematisiert ihr?
Matthias beleuchtet mit seinen Siebdrucken queere, historische Friedensaktivist:innen, ich zeige Fussgängerstreifen-Szenerien, Fussgängerübergänge, die von einer auf die andere Strassenseite führen. Zudem bedeutet auch mein Leben in zwei Ländern immer wieder, meine Seiten zu wechseln.

Welche Unterschiede sprichst du in den Seitenwechseln an?
Ich geniesse dort die Ruhe des kleinen Ortes, meinen Partner, meine italienischen Bekannten, das Ländliche und alles, was zum Leben in Italien gehört, und hier meine beiden Söhne und ihre Familien, das Stadtleben, die Kultur und meine Freund:innen. Das alles bedeutet für mich immer ein «Umswitchen» von einer Kultur in die andere. Das war früher nicht immer einfach; ich wollte auf beide Seiten Rücksicht nehmen. Die Seiten zu wechseln war herausfordernd und gleichzeitig auch erholsam.

Was reizt dich an Italien? Und was reizt dich an Bern?
In Strambino gefallen mir die Natur, die Zurückgezogenheit, die Stille und natürlich die Italianità in Bezug auf Menschen, Kultur und Essen. In Bern liebe ich das Zusammensein mit meiner Familie, die Treffen mit meinen Freundinnen, die Anlässe, Ausstellungen, das Unterwegssein.

Du lebst seit 50 Jahren im Breitenrain. Auch dein Atelier befindet sich seit Jahren an der Allmendstrasse 14. Gerade, sagst du, hast du mit dem Malen begonnen. Welche Themen interessieren dich aktuell?
Ja, früher schuf ich unter anderem Collagen und Installationen, die Kunstrichtung der Malerei hat mich aber schon immer fasziniert. Ich besuchte in den letzten vier Jahren in Italien Kurse zum Thema Ölmalerei. Seit zwei Jahren male ich an der Strassenbilder-Serie – zuvor hatte ich mich jahrelang fotografisch mit dem Thema auseinandergesetzt und bringe diese Szenerien nun auf Leinwand.

Im Sommer hat eine Filmcrew aus Deutschland (siehe Intro) in deiner Wohnung gedreht. Wie kam es dazu und was bedeutete das für dich?
Ich bin grundsätzlich ein spontaner Mensch, dies vorweg. Ich stand gerade in einem Brockenhaus, als mich Emanuel Demenga von Contrast Film Bern anrief und sagte, er stehe gerade vor meinem Atelier, er fände das sei eine schöne Location und ob sie hier allenfalls Szenen für ein deutsches Filmprojekt drehen dürften. Da ich Filmfan bin, sagte ich nach einer Stunde bereits zu. Anfänglich wollten sie nur ein Zimmer benutzen –, es entstand eine Arztpraxis daraus – schlussendlich mieteten sie die ganze Wohnung. Dies bewog mich, endlich mal so richtig auszumisten, was richtig gut tat.

Da du nicht permanent im Nordquartier lebtest, fielen dir vielleicht Veränderungen eher auf?
Ja, bis vor wenigen Jahren bemerkte ich Veränderungen natürlich eher. Aber ich war jeweils auch nicht so lange am Stück weg, dass es viel Neues gab. Übrigens, der Quartieranzeiger war und ist meine Bibel, da liest du über alle Neuerungen und alles ist so aktiv … das glaubst du vielleicht nicht, aber in Strambino ist das manchmal wie im Mittelalter, so richtig träge im Vergleich. Mich hat übrigens das Interview über meinen Sohn Donat gefreut.

Donat Hofer ist dein Sohn?!
Ja, wusstest du das nicht? Deshalb unter anderem auch meine Vorliebe für den Film.

Wie empfindest du das Quartier als ehemalige «Ausland-Bernerin», wenn du die letzten zehn Jahre fokussierst? Welche Neuerungen gefallen dir gut?
Mir gefallen der neue Breitschplatz, der «Garagen-Markt», der diesen Juni an der Moserstrasse und auf dem Breitschplatz stattfand, den Samstag-Märit auf dem Breitschplatz. An der Moserstrasse gibt es so viele neue Orte und Geschäfte – früher blieb gefühlt 40 Jahre lang alles gleich. Ich mag Orte wie den Secondhand Smilla mit integriertem Coiffeurstuhl und finde es schön, dass die Markus- und die Johanneskirche mit ihren Angeboten offener geworden sind. Momentan gibt es eine Geisterbahn zu Halloween.

Wenn du deinen Freund:innen aus Italien den Breitsch zeigen möchtest, welchen Rundgang wählst du?
Wir spazieren vom Spili zum Wifag-Areal, da erzähle ich ihnen ein bisschen über die Leinenweberei und vom innovativen Wifag-Areal-Projekt, dann geht es weiter zum Wylerbad, danach trinken wir etwas im Pfyfouter. Später besuchen wir die aktuelle Ausstellung in der Galerie 9A, spazieren zum Breitschplatz-Märit und schlendern entlang der Moserstrasse zum Schneidereilädeli. Den späten Nachmittag und Abend runden wir ab entweder mit einem klassischen Konzert bei Musik Müller an der Moserstrasse oder in der HKB bei einem Konzert der Studienabgänger:innen. Als krönenden Abschluss gibt es ein Bier im Barbière.

Wo zieht es dich als Künstlerin hin, wenn du Kultur erleben möchtest?
Ins La Cappella, zu privaten Anlässen, in den Botanischen Garten oder wie gesagt zu Musik Müller und in die HKB.

Liebe Rosmarie, danke für deine Zeit und deine Antworten :-)

afdn_skyscraper_migros-min.jpg
skyscraper_jordi-liegenschaften.jpg