RISTORANTE IL PROFETA

Beim Barte des Propheten

Im Breitfeld geht eine Ära zu Ende: Wirt Daniele «Dänu» Gariuolo hört im «Il Profeta» nach 35 Jahren Mitte Dezember auf. Er war Gastgeber aus Leidenschaft. Wir nehmen Abschied.

Jean-Claude Galli
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Heisser Stein. Bild: jc

Noch ist das Glas voll. Zuerst ist Bier darin. Später Rotwein, ein Barbera d’Alba von Bruna Grimaldi aus dem Piemont. Auf Empfehlung des Chefs. Das Glas ist wie eine Sanduhr. Ist es leer, müssen wir gehen. Der Grund, weshalb wir hier sind, ist ein trauriger. Doch «Dänu» lacht. Deshalb dürfen wir das auch. Hier ist selten jemand traurig. Hier feiern die Leute. Das Leben und sich selber. Seit 1989 führen die Gariuolos das «Il Profeta». Zuerst «Dänus» Eltern Rosmarie und Michele. Nach seiner Kochlehre im «Della Casa» an der Schauplatzgasse kam 1991 auch er in den Betrieb. Der Name des Lokals kommt nicht von der nahen Markuskirche, sondern liegt in der Familie. Das Ristorante eines Onkels von Michele in Rom hiess so, jenes eines Cousins in Florenz ebenfalls, wie der Geschichtsabriss auf der Website verrät. Michele liess die Figur des Propheten, die auch die Visitenkarten schmückt, in Lebensgrösse auf Bali schnitzen. Sie führt mittlerweile ein stummes Eigenleben in der früheren Telefonkabine und segnet die Neuankömmlinge.

Wir haben uns eingefunden, um endgültig Abschied zu nehmen. Nach 35 Jahren hört «Dänu» auf. Einerseits lockt schon bald die Pension. Andererseits will der Liegenschaftsbesitzer verkaufen. Doch von «Dänus» drei Kindern will niemand ins Gastgewerbe. Und er selber hat sich in Bremgarten häuslich eingerichtet. Weil nun der Pachtvertrag ausläuft, hat sich «Dänu» für das harte Ende entschieden. Doch wie gesagt gibt es keinen Grund, bitter zu werden. «Wir hatten eine tolle Zeit hier», sagt «Dänu», «ich möchte keinen Tag missen.» Schon als Kind wusste er, dass er in die Gastronomie wollte. «Gastgeber sein und Leute verwöhnen.» Sein Vater als Vorbild, der vor dem «Il Profeta» das «Da Carlo» an der Effingerstrasse führte. Zuerst war «Dänu» in der Küche, 2006 wurden die Eltern pensioniert und er übernahm Front und Geschäftsführung. «Anfangs hatten wir sieben Tage offen, später machten wir jeweils am Samstag und Sonntag zu», sagt er. Zum Glück für «Dänu». Denn er ist YB-Fan. Und zwar einer von der ernsthaften Sorte und keiner der vielen Modeanhänger, die mittlerweile das Wankdorf füllen. Spieler und Staff wissen das und kommen über den Mittag regelmässig vorbei. Übrigens hat er auch zum Hockey einen Draht. Weniger bekannt als seine YB-Anhängerschaft ist, dass er als Kind beim SCB spielte.

Ein Glas heller Freude

Doch – noch einmal Glück, diesmal für uns – hat er dann voll aufs Gastgewerbe gesetzt. Auch wenn seine Familie damit auf vieles verzichten musste. «Ich war an keinem einzigen Elternabend dabei», sagt «Dänu». Ohne seine Frau Nicole wäre dies alles gar nicht möglich gewesen. Wie Name und Familiengeschichte andeuten, ist das «Il Profeta» ein «Italiener» typischer Prägung. Auch was Einrichtung und Angebot angeht. Aber eben nicht nur. Sondern auch einer der mittlerweile raren Quartiertreffpunkte. Inklusive immer noch intakter Kegelbahn und eines prächtigen kleinen Gartens für den Sommer, den Pflanzen vor dem Strassenlärm abschirmen. Vom Garten nahmen wir schon im August Abschied. «Dänus» grosses Beziehungsnetz ist hilfreich fürs Geschäft. «Ich kenne wohl 90 Prozent unserer Gäste mit Namen», sagt «Dänu». Das ist auch heute Abend – unser Besuch fand an einem Donnerstag im Oktober statt – nicht anders, wie wir uns überzeugen können. Man kommt gerne zu «Dänu». Und er widerspiegelt diese Freude.

Vorsicht, heiss!

Was das «Il Profeta» auch noch ist: das Reich des heissen Steins, der mittlerweile wieder rar geworden ist in der Schweizer Gastro-Landschaft. «Dänu» zelebriert ihn regelrecht. Und die Qualität stimmt und findet Anklang. Wohl die Hälfte der Gäste sitzt an diesem Abend samt überdimensionaler Umhang-Serviette in freudiger Erwartung am Tisch – auch der Autor dieser Zeilen. Herbeigesehnt wird bei uns ein Ross-Entrecôte, das alsbald zischend naht, klassisch mit Pommes frites und der unverzichtbaren Haussauce, aus der wir eine Note von Curry und Senf herausspüren. Unser Begleiter ist ein Freund der italienischen Küche. Er wählt einen der grossen Hits des Landes, Piccata milanese, ebenfalls klassisch mit Spaghetti Napoli. Später bestellen wir Tiramisu und Espresso. Und kurz vor 23 Uhr ist es so weit. Das letzte Glas ist leer. Doch «Dänu» strahlt. Und wir mit ihm. Es war eine tolle Zeit hier und wir möchten keine Sekunde missen.

Am 18. Dezember ist Schluss

Wer dies liest, könnte unruhig werden. Doch keine Angst, Sie haben noch ein paar Tage Zeit für Ihren ganz persönlichen Abschiedsbesuch. «Dänu» füllt die Gläser noch bis zum 18. Dezember, mittags und abends, ausser am Wochenende. Was dann an der Winkelriedstrasse 56 passiert, ist Stand jetzt offen. Möglich ist, dass auch künftig gewirtet wird, Gespräche laufen. Doch ist dies uns heute egal. Denn diese Zeilen gehören «Dänu». Danke für alles, grazie mille, beim Barte des Propheten.

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Daniele Gariuolo.
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Tiramisu.
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Nüsslersalat.
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Piccata milanese.

INFOS

Küche: Die ganze Pracht unseres Lieblingsnachbarn aus dem Süden
Service: ehrlich, echt, aufmerksam
Ambiente: Quartiergeist trifft Italien, trifft Hopp YB!
Preise: Faires Preis-Leistungs-Verhältnis
Adresse: Winkelriedstrasse 56, 3014 Bern, Telefon 031 331 73 93, www.ilprofeta.ch
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, jeweils 10.30 bis 14 Uhr und 17 bis 23.30 Uhr, Samstag und Sonntag geschlossen.


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