RESTAURANT PINGPONG

Eine Asia-Oase mitten im Niemandsland

Auch wer kein «Landi»-Fan ist, darf sich diese Adresse ruhig merken: Im «Pingpong» an der Wankdorffeldstrasse werden seit diesem Mai Köstlichkeiten aus Fernost serviert.

Jean-Claude Galli
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Aussenansicht. Bilder: Jean-Claude Galli

Lassen Sie sich bloss nicht vom Gebäude und der näheren Umgebung abschrecken. Schon als die Migros unter ihrer Marke «Do it + Garden» noch an der Wankdorffeldstrasse vertreten war, mussten Ästheten und Liebhaberinnen gepflegter Architektur darben. Und seit der Übernahme der Räumlichkeiten durch die «Landi» sind Hülle und Interieur nicht wirklich schöner geworden. Selbst die Dekor-Enten aus Holz zum halben Preis helfen da wenig. Doch nun kommt der Clou, nämlich eine echte Entdeckung in dieser Einöde. «Pingpong» heisst das Zauberwort und sicher hören auch Sie wie wir schon das Klick-Klack auf der grünen Tischplatte von weitem an Ihr Ohr dringen. Im Ernst: Verändert hat sich durch den Rückzug der Migros nicht nur die Mieterschaft der Ladenfläche, sondern auch jene des Restaurants. Gepachtet wurde es neu von einer guten alten Bekannten in der Berner Gastro-Szene, von Engie Moser. Sie stammt aus Malaysia und dirigierte zuvor jahrelang die «Plattform»-Lokale der Familie Gfeller an der «Front» und noch früher das «China Imperial» an derselben Adresse. Zusammen mit Salomo Yi führt sie seit Mai 2026 das «Pingpong» mit einem Sampling von Hits der asiatischen Küche. Das scheint Puristen vielleicht etwas zuviel des Guten, doch schweigen auch sie spätestens nach dem ersten Bissen Fried Rice.

Sitzgelegenheiten gibt es nicht nur im Innern rund um die Küche, sondern auch auf Hochstühlen im vorderen Teil der Laderampe. Bestellt wird unkompliziert am Tresen, in einer Kühlvitrine stehen Getränke griffbereit, darunter eine schöne Auswahl an asiatischen Bieren vom japanischen Asahi aus der Präfektur Tokio bis zum chinesischen Tsingtao aus der Provinz Shandong, gebraut seit 1903, ursprünglich von deutschen Auswanderern. A propos Deutschland: In den 1980er-Jahren faszinierte uns der damals populäre Doppel-Weltmeister Jörg Rosskopf, der mit seinem Vorhand-Topspin brillierte und die Phalanx der chinesischen Spitzenspieler kurzzeitig leicht ins Wanken brachte. Doch ist Tischtennis wie vieles im Sportkosmos eine Erfindung der Briten und das lautmalerische Ping-Pong seit 1901 urheberrechtlich von der bekannten Spielerfinder-Firma Parker Brothers, heute Hasbro, geschützt. Tischtennis ist ein Destillat aus dem normalen Tennis und draussen wie drinnen auf relativ kleiner Fläche möglich – ideal angesichts der häufigen Regengüsse zwischen Lizard Point und Dunnet Head. 1952 wurde der Japaner Hiroji Satō als erster Asiate Weltmeister. Seither dominiert dieser Kontinent das internationale Ranking, wobei aktuell die Chinesen die Nase vorn haben.

Vorspeisen und Rückhandkonter

Die Sportart ist im Lokal auch optisch präsent. Einerseits auf einem Werbeplakat beim Eingang, zweitens mit einem Plexiglaskasten voller Bälle, der die Geschirrrückgabe anzeigt. Für uns eine heimliche Reminiszenz an Rosskopfs Rückhandkonter, die sein Spiel noch unberechenbarer machten. Als sanfter kulinarischer Einstieg bietet sich eine Schale Edamame an, zur Vorspeise empfehlen wir Korean Fried Chicken und Dumplings mit Poulet oder Tofu. Nach der Bestellung kehren wir mit einem Pager ausgerüstet zu unserem Tisch auf der Rampe zurück, um die «Landi»-Kundschaft zu studieren. Doch schon bald klingelt und vibriert der Pager wie ein Schwarm Hornissen und wir eilen nach drinnen, wo Moser gerade die Hauptgänge finalisiert: ein Pad Thai mit Tofu sowie eine Schale Bibimbap, dieses wunderbaren Reisgericht mit Rind, Gemüse und Ei.

Tanz auf dem Vulkan

Glücklicherweise dürfen wir von uns behaupten, über eine gewisse Asien-Reiseerfahrung zu verfügen. Zuletzt grüssten wir aus Thailand und Taiwan und bald soll es nach Vietnam und auf die südkoreanische Vulkaninsel Jeju gehen. Deshalb massen wir uns auch an, die Qualität der im Restaurant Pingpong servierten Speisen einigermassen einordnen und beurteilen zu können. Und für beide Teller würden wir in der Tat noch einmal zurückkommen, Architektur und Interieur hin oder her. Doch würde uns dann auch brennend interessieren, wie sich das rote Curry und die Ramen-Suppe mit Schweinefleisch machen. Oder das Teriyaki-Poulet, die Satay-Spiesschen und die Frühlingsrollen. Sogar Dessert-Liebhaber kommen nicht zu kurz: Für sie gibt es japanische Mochis und den in Thailand weitverbreiteten Klassiker Mango Sticky Rice.

Auffallend ist bei unserem Besuch die hohe Kadenz an Take-away-Bestellungen. Für den Verzehr zu Hause empfehlen wir Paaren ein gepflegtes Tischgespräch. Singles hingegen dürfen sich dazu gerne das 2025 erschienene Comedy-Drama «Marty Supreme» über den von Timothée Chalamet dargestellten US-Tennisspieler Marty Reisman (sic!) anschauen, der im Film aus rechtlichen Gründen auf den klingenden Namen Marty Mauser hört. Und über den heutigen Bundestrainer Jörg Rosskopf gibt es den Dokfilm «Die Chinesen Europas» auf Apple TV.


INFOS

Küche: sehr gefälliger Querschnitt durch die asiatische Wunderwelt
Service: Selfservice Supreme
Ambiente: Der Baumarkt-Charme ist schnell vergessen.
Preise: günstig (Speisen) bis mittel (Getränke)
Adresse: Wankdorffeldstrasse 90, 3014 Bern, Telefon 076 478 04 92
Öffnungszeiten: analog der «Landi»; Montag bis Freitag 8 bis 18.30 Uhr, Samstag 8 bis 17 Uhr


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Pad Thai.
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Bibimbap.
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