Corinnas Quartier Talk

Corinnas Quartier Talk mit Donat Hofer

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Donat Hofer. Bild: Fabian Hugo (fabianhugo.ch)

Donat Hofer dürfte vielen im Nordquartier aus der SRF-Doku «Donat auf Achse» bekannt sein. Mit einem Oldtimer tourt er mit Tontechniker und Kameramann kreuz und quer durch die Schweiz und befragt sehr spontan Menschen nach deren Lebensgeschichten. Diese Interviews sind oft tiefer greifende Momentaufnahmen, die einen sehr oft berührt, schmunzelnd bzw. sprachlos zurücklassen.

Donat hat seine Kindheit und Jugend in Bern verbracht – er wuchs im Breitsch auf und liebt das Quartier über alles – und lebt heute mit seiner kleinen Familie in Zürich. Wenn er nicht gerade Menschen befragt, liebt er seine Liebsten, den Breitsch, schöne Sätze, Meer, Bälleschlagen, kurze Sätze, Musik und alles, was dazugehört.

Donat, die Doku-Reihe «Donat auf Achse» war deine Idee. Wie hast du sie dem Sender verkauft, dass du den Zuschlag erhalten hast?
Zusammen mit meiner Produzentin Vanessa Nikisch und der inhaltlichen Leiterin Anita Richner haben wir «Auf Achse» kreiert. Inspiriert haben mich Sendungen wie «Grüezi Deutschland», «Müslüm» und natürlich «Reporter». Unser Konzept war eine Mischung aus Talk und Reportage, das hat SRF überzeugt.

Sind die Interviews wirklich immer so spontan oder sucht ihr oft länger nach Menschen, die genug offen sind, ihre Lebensgeschichte zu erzählen?
Wir wollten von Anfang an auf Zufallsbegegnungen setzen. Jedoch wussten wir nicht, wie gut das funktioniert und wie viel diese Begegnungen hergeben. So haben wir mit jeder neuen Staffel diesem Element mehr Gewicht und Vertrauen geschenkt. Für die dritte Staffel (2026) haben wir uns dazu entschieden, voll auf Zufälle zu setzen. Nichts ist geplant oder inszeniert, alle Begegnungen sind zufällig entstanden, oft auch die Route.

Welche dieser Geschichten hat dich besonders berührt?
Nebst den grossen Schicksalen sind es oft die leisen Geschichten, die mich berühren. Etwa die Geschichte einer Frau, die mir erzählt, wie ihr Vater ihr einst verbot, ihren Ausbildungswunsch zu verwirklichen – aus Angst, seine Tochter könnte eines Tages besser ausgebildet sein als er selbst. In dieser Begegnung habe ich ihren Schmerz gespürt. Aber auch ihre Liebe zu ihren Kindern, denen sie heute jene Freiheit ermöglicht, die ihr selbst verwehrt blieb.

Welche liess dich herzhaft lachen?
Die herzhaften Lacher gibt es immer wieder. Oft sind sie ein Ventil, um Spannung abzubauen. Lachen verbindet und entspannt – gerade inmitten schwerer Geschichten kann das guttun. Entscheidend ist, dass es miteinander geschieht und nicht auf Kosten anderer.

Würdest du dich selber spontan unterwegs befragen lassen? Und falls ja, wie wäre der Einstieg in deine persönliche Geschichte?
Gute Frage. Ich denke, es käme sehr fest auf den Moment, meine Laune und die Energie vom Gespräch an. Ich denke schon, dass ich mal hören würde, was dieser Typ von mir will. Dann würde ich mich von meinem Bauchgefühl leiten lassen. Den spannendsten Einstieg finde ich, auf das Hier und Jetzt einzugehen: Wo bin ich, was mache ich, was geistert mir gerade durch den Kopf?

Du hast Betriebsökonomie studiert, danach Psychologie und wurdest später Journalist, Reporter und Moderator bei SRF. Das Leben hat dich in komplett unterschiedliche Bereiche geführt; wie kam es dazu?
Ich bin froh, dass mich das Leben in unterschiedliche Bereiche geführt hat. Anders geht es für mich nicht. Ich habe meine Zeit gebraucht, um mich selbst und meine Instrumente besser kennenzulernen. Und irgendwie hört das auch nicht auf. Ich glaube, das Suchen gehört zu mir.

Du bist im Breitenrain aufgewachsen. Welche Erinnerungen ans Quartier prägen dich bis heute?
Jedes Mal, wenn ich in den Breitsch zurückkomme, fühlt es sich wie Heimkommen an. Ich liebe dieses Quartier, die Häuser, die Ruhe, die Energie. Für mich fühlt sich der Breitsch geerdet an. Es war ein Privileg, hier aufzuwachsen. Der Breitsch war unser Dorf.

Ich erinnere mich an ein Konzert von Stiller Haas, damals noch völlig unbekannt. Es war ein Strassenfest: ein paar Familien, ein paar Bänke und eine kleine Bühne. Und darauf ein grosser, wilder Mann: Endo.

Wo hast du dich besonders gerne aufgehalten?
Der Schützenwegspielplatz war unser Wohnzimmer – vor allem im Winter das Hockeyfeld. Ich habe den Gummibärli-Cup mit ins Leben gerufen. Gibts den eigentlich noch? Unser Team hiess Pic-Pac-Pinguin, ich war die Nummer 99. Viel Liebe an Chäspu, Kaa und Ürsu, die sich mit so viel Hingabe uns Kindern angenommen haben. Da kommt mir ein guter Satz in den Sinn, den ich mir selbst als Vater immer wieder mahnend vortragen muss: «Dein Alltag ist seine/ihre Kindheit.»

Unvergessen bleibt auch das Röiber u Poli nach den Kindertheater-Aufführungen im Herbst. Den Geruch von Schminke, Wienerli, Glühwein gemischt mit der abendlichen Herbstluft werde ich nie vergessen. So schmeckt Breitsch.

Wenn du – nehmen wir an, du würdest in die Werbebranche wechseln (;-)) – deinen Kindheitsort in wenigen Sätzen beschreiben solltest, wie wären diese?
Ich würde auf die Werbekampagne pfeifen. Lieber zitiere ich Berner Texter:innen. Sie haben genug Treffendes über Bern und unsere Gemüter geschrieben.

Wenn Krust rappt: «O i ha bestimmt ä Stei a di Stadt bitreit», versteht ein kindlicher Teil in mir das so, dass wir Bern gemeinsam geschaffen haben und wir es bis heute am Leben halten. Jede und jeder. Ein schöner Gedanke.

Oder nochmals Krust: «I bi niä der Typ gsi für di grossä Distanzä – drum wohni ir Länggass, bis si z Wankdorf usem Bodä stanzä.» Diese Zeilen haben mich geprägt. Sie gehören für mich untrennbar zu meinem Aufwachsen in Bern. «Viu Liebi für di Krust.»

Und zu guter Letzt: Welche Frage wurde dir noch nie gestellt und wie wäre deine Antwort hierauf?
Das SRF-Format «Reporter» hat dein Leben geprägt. Jahrelang hast du die Sendung im Fernsehen geschaut und geliebt. Irgendwann hast du dir den Traum in den Kopf gesetzt, selbst einmal einen «Reporter» zu drehen. Dieser erste Film wurde zu deinem Türöffner bei SRF und legte den Grundstein für deine weitere Laufbahn. Später wurdest du Teil der «Reporter»-Redaktion. Nun hat SRF kommuniziert, dass «Reporter» wegen Sparmassnahmen vor dem Aus steht. Wie fühlt sich das an? Meine Antwort: schmerzhaft.

Danke, Donat, für deine Zeit und deine spontanen Antworten.

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