Hoffnung und Unterstützung direkt im Quartier
Seit 1991 bietet die Stiftung Marie Glatthard-Herren älteren Menschen in herausfordernden Situationen Unterstützung. Geschäftsführerin Diana Schmutz gab uns Einblicke in ihr spannendes Tätigkeitsfeld.
«Die Stiftung Marie Glatthard-Herren bezweckt, dass ältere und minderbemittelte Menschen ein geruhsames Leben führen können.» Die Einleitung auf der Website machte uns neugierig, mehr darüber zu erfahren.
Ein Zuhause für ältere Menschen: die Vision von Maurice Glatthard
Am 4. Juli 1991 verstarb der 91-jährige, ledige Tapezierer Maurice Edouard Glatthard. Er hinterliess nicht nur eine Liegenschaft am Talweg 5 (heute Lorrainestrasse 71), die er selbst bewohnte, sondern auch ein Vermächtnis. In seinem Testament verfügte er, dass sein gesamtes Vermögen in eine Stiftung fliessen soll – benannt nach seiner Grossmutter Marie Glatthard-Herren. Den tiefen Sinn dahinter hielt er handschriftlich fest: «Mein Wunsch ist, dass ältere, minderbemittelte Menschen ein ruhiges, zufriedenes Leben führen können.»
Das Fundament für die Zukunft legte er mit seinem Halbbruder Roland Glatthard als erstem Stiftungsratspräsidenten. Dieser holte den Treuhänder Urs Seiler ins Boot – jenen Mann, bei dem ich Jahre später meine Ausbildung absolvieren durfte. Auch wenn Roland Glatthard 2016 verstarb, bleibt die Familie tief verwurzelt: Mit Florian Auderset, dem Grossneffen des Stifters, prägt bis heute ein Familienmitglied die Geschicke im Stiftungsrat.
Heute lenken drei Stiftungsräte gemeinsam mit mir als Geschäftsführerin die Organisation. Im Hintergrund halten uns zwei engagierte Teilzeitmitarbeiterinnen im Treuhandbüro den Rücken frei. Der gesamte administrative Aufwand bündelt sich zu einem Vollzeitpensum, während die Mitglieder des Stiftungsrats ihre Arbeit vollständig ehrenamtlich und mit grossem Herzblut leisten.
Liebe Diana, wer ist die Frau, die heute die Fäden der Stiftung in den Händen hält?
Da mich das Interesse an kaufmännischen Abläufen bereits in der Schulzeit begleitete, war es klar, dass ich eine kaufmännische Lehre absolvieren würde. Mein Lehrbetrieb, ein kleines Treuhand- und Liegenschaftsbüro in der Stadt Bern, verwaltete bereits damals die Stiftung Marie Glatthard-Herren.
Im Anschluss an meine Lehre zog es mich für einige Jahre in die Ferne, um mich beruflich wie persönlich weiterzuentwickeln. Seit sieben Jahren arbeite ich nun wieder in meinem damaligen Büro und wurde 2022 Geschäftsführerin der Stiftung Marie Glatthard-Herren.
Privat engagierte ich mich schon vor meiner Rückkehr als Beiständin. Aus sozialer Überzeugung setze ich mich besonders gerne für ältere Menschen ein. Die sich daraus ergebende gemeinnützige, sinnstiftende und abwechslungsreiche Tätigkeit schätze ich sehr. Durch meine Erfahrung unter anderem als Beiständin konnte ich so auch mithelfen, die Stiftung weiterzuentwickeln.
Vorher drehte sich die Stiftungsarbeit vor allem um die Verwaltung der eigenen Liegenschaften. Dies ist zwar heute immer noch ein grosser Bestandteil unserer Arbeit, jedoch waren wir in den letzten Jahren vermehrt auch bei der direkten administrativen und finanziellen Unterstützung für ältere Leute tätig. So begleiten wir immer mehr Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt.
Auch in meiner Freizeit bin ich gerne aktiv und lebhaft mit Leuten unterwegs – sei es bei meinen Hobbys Tanzen, Velo- und Skifahren oder bei einem Restaurantbesuch mit Freunden und der Familie. Bei mir läuft immer etwas, da ich gerne Menschen und Projekte bewege (lächelt).
Welche Dienstleistungen bietet die Stiftung an?
Im Zentrum steht die Vermietung unserer altersgerechten und barrierefreien Wohnungen. Darüber hinaus unterstützen wir ältere Menschen dabei, möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu führen – auch abseits unserer Liegenschaften. Ein wichtiges Standbein ist dabei die Immobilienverwaltung sowie der Immobilienverkauf. In den letzten Jahren durften wir vermehrt ältere Ehepaare begleiten, die uns ihr Wohneigentum anvertraut haben. So stellen wir sicher, dass sie so lange wie gesundheitlich möglich in ihrem vertrauten Zuhause bleiben können. Ergänzend beraten wir Senior:innen in administrativen wie auch finanziellen Angelegenheiten und unterstützen sie einfühlsam beim Aufsetzen von Vorsorgeaufträgen und Testamenten.
Wie lange dauert es von der ersten Anfrage bis zur konkreten Hilfe?
Eine schnelle Rückmeldung ist uns wichtig. Die konkrete Umsetzung hängt jedoch von individuellen Faktoren ab, da wir keine Lösungen von der Stange bieten. Jedes Gesuch wird von uns genauestens geprüft, einschliesslich einer Analyse der finanziellen Situation. Diese Gründlichkeit sind wir unserem Stiftungszweck schuldig: Wir wollen sicherstellen, dass unsere Hilfe wirksam und gerecht bei den Menschen ankommt, die sie wirklich brauchen.
Wie sieht das finanzielle Modell der Stiftung aus?
Das ist die grosse Besonderheit: Unsere Stiftung finanziert sich in erster Linie selbst. Neben den Liegenschaften mit vergünstigten, altersgerechten Mieten besitzen und bewirtschaften wir auch Immobilien zu marktüblichen Konditionen. Durch diese Erträge tragen wir uns wirtschaftlich eigenständig.
Die Spenden, die wir erhalten, fielen bisher eher klein aus und machen nur einen Bruchteil unseres Budgets aus. Allein von diesen Zuwendungen könnten wir aktuell nicht existieren. Dennoch helfen uns Spenden und zusätzliche Liegenschaftsmandate enorm dabei, unseren Zweck weiterhin mit stetigen Verbesserungen zu erfüllen. So können wir langfristig noch mehr bezahlbaren Wohnraum für ältere Menschen in der Stadt Bern sichern.
Ein Blick nach vorn: Was sind eure Pläne und Wünsche für die Zukunft?
Die Wohnungsnot trifft ältere Generationen besonders hart. Durch die vielen Leersanierungen in Bern ist die Nachfrage nach bezahlbaren Zwei- und Zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen riesig. Oft ist das der perfekte nächste Schritt, wenn das eigene Haus zu gross wird, die Selbstständigkeit aber erhalten bleiben soll. Die Suche nach passenden Liegenschaften hat für uns deshalb hohe Priorität.
Ein weiteres Herzensprojekt ist die Begleitung von Wohneigentümer:innen: Wir kaufen ihre Häuser oder Wohnungen zu fairen Preisen ab, damit sie so lange darin wohnen bleiben können, wie es ihr Wunsch ist und ihre Gesundheit erlaubt. Am Ende geht es uns immer um massgeschneiderte Lösungen. Wir möchten die Menschen dazu animieren, das Thema Vorsorge rechtzeitig anzupacken – für ein gutes, geregeltes und rundum zufriedenes Älterwerden.
Was liegt euch zum Schluss noch besonders am Herzen?
Wir wünschen uns von Herzen, dass ältere Menschen ihr gewohntes Zuhause so lange wie möglich behalten können. Das gesamte Drumherum lässt sich stets nach den individuellen Vorstellungen der Betroffenen gestalten. Uns ist es wichtig, zu zeigen: Es ist ein schönes Gefühl, die eigenen Angelegenheiten frühzeitig geregelt zu haben. Wer seine Wünsche rechtzeitig anpackt, schafft sich den Freiraum, das Leben im Alter einfach unbeschwert zu geniessen.
Liebe Diana, vielen Dank für dieses spannende Interview und eure tolle Arbeit! Wir wünschen euch alles Gute!