Gut leben im Alter – auch mit kleiner Rente
Informationsanlass zu Ergänzungsleistungen und günstigen Angeboten im Nordquartier.
Am Dienstag, 27. Oktober, wird der Anlass «Gut leben im Alter – auch mit kleiner Rente» im Quartierzentrum Bern Nord stattfinden. Mit dabei sind neben der Quartierarbeit Bern Nord und Alter Stadt Bern auch Pro Senectute, Infotime, die Pfarrei St. Marien, die Kornhausbibliothek Breitenrain und die reformierte Kirchgemeinde Bern Nord.
Der Anlass wird aus zwei Teilen bestehen. Im ersten Teil wird es um das Thema Ergänzungsleistungen gehen. Geplant ist, den Anlass in einfacher Sprache und mit viel Raum für Fragen und Diskussionen zu gestalten. Wichtige Ziele des Organisationskomitees sind – neben Informationen zu den Ergänzungsleistungen – das Schamgefühl, das viele Menschen bei diesem und ähnlichen Themen zu finanziellen Unterstützungsleistungen empfinden, durch die Tischgespräche zu durchbrechen und den Teilnehmenden vermitteln zu können, dass jeder Mensch das Recht auf Unterstützung hat, wenn es finanziell nicht reicht. Ausserdem sollen administrative Entlastungsmöglichkeiten und Unterstützungshilfen aufgezeigt werden, um zur Gesuchstellung zu motivieren.
Im zweiten Teil können die Teilnehmenden bei Kaffee und Kuchen verschiedene «Marktstände» besuchen, an denen ausgewählte kostenlose oder kostengünstige Angebote von verschiedenen Institutionen im Nordquartier präsentiert werden, die in erster Linie ältere Menschen ansprechen.
Altersarmut in der Schweiz
Die Schweiz gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Trotz Altersvorsorgesystem können längst nicht alle Menschen ihre Pension finanziell sorgenfrei verbringen. Altersarmut ist deshalb ein wichtiges gesellschaftliches Thema. Besonders betroffen sind Menschen, die während ihres Erwerbslebens nur wenig verdient (Working poor), Teilzeit gearbeitet oder längere Erwerbsunterbrüche gehabt haben.
Das Schweizer Altersvorsorgesystem basiert auf mehreren Säulen. Die AHV bildet dabei die erste Säule und soll den Existenzbedarf im Alter sichern. Die berufliche Vorsorge ergänzt die AHV, während die private Vorsorge die finanzielle Situation zusätzlich verbessern kann. In der Praxis reicht das Einkommen aus diesen Quellen jedoch für viele Menschen nicht aus. Seit dem Jahr 1966 gibt es in der Schweiz die Ergänzungsleistungen (EL). Diese sind eine staatliche Leistung, die Personen mit einer AHV- oder IV-Rente finanziell unterstützt, wenn deren Einkommen und Vermögen nicht ausreichen, um den minimalen Lebensbedarf zu decken. Anspruch auf EL besteht unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen.
Das Armutsrisiko hängt stark von der beruflichen Vorsorge ab. Wer im Erwerbsleben wenig oder gar nicht in die 2. Säule einzahlen konnte, hat im Alter oft nur die AHV-Rente als Haupteinkommen. Frauen sind aufgrund ihrer Erwerbsbiografien besonders gefährdet, da sie öfters Teilzeit arbeiten, Erwerbsunterbrüche wegen Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen aufweisen sowie tiefere Löhne erhalten. Auch allein lebende Personen haben ein höheres Risiko, weil sie ihre Fixkosten nicht mit einem Partner oder einer Partnerin teilen können. Ein zusätzlicher Faktor ist zudem das Alter. Ab 75 Jahren setzt eine verstärkte Prekarisierung ein, unter anderem weil häufiger allein gelebt wird und Kosten für Betreuung und Pflege zunehmen.
Altersarmut ist somit nicht ein individuelles Problem, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. Ein reiches Land wie die Schweiz muss sich daran messen lassen, ob ältere Menschen nach einem langen Arbeitsleben ihren Lebensabend in Würde und mit einer angemessenen finanziellen Sicherheit verbringen können. Ein erster Schritt in diese Richtung ist es, verständliche Informationen zu den Unterstützungsangeboten anzubieten und aufzuzeigen, welche Institutionen bei Anmeldungen helfen können.