Ein ausgezeichnetes Ergebnis
Nach sechs Jahren Bauzeit ist Gebäude D im Zeitplan fertiggestellt und seit Ende Juli mit «Platin» zertifiziert – dem höchsten Gütesiegel für nachhaltiges Bauen nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS Hochbau. Was braucht es, damit eine Bauaufgabe wie diese gelingt? Ein Rückblick.
In Menschenleben betrachtet, wird das Verwaltungszentrum am Guisanplatz diesen Sommer volljährig. 18 Jahre Planen, Bauen, Weiterentwickeln. Gleichzeitig erreicht die 2. Bauetappe wichtige Meilensteine: erstens kann Gebäude D von den Mitarbeitenden der Verwaltungseinheiten des VBS ab jetzt genutzt werden, zweitens wurden alle angestrebten Nachhaltigkeitszertifikate erreicht. Damit gelingt das langfristige Ziel, die Schweizer Sicherheitsbehörden im grössten Verwaltungszentrum des Bundes in modernen, an den heutigen Anforderungen ausgerichteten Arbeitswelten zu vereinen. Im Alltag wird die räumliche Nähe helfen, besser miteinander zu arbeiten und die Flächen effizienter zu nutzen.
Dialog pflegen: öffentliche Verwaltung und Bauwirtschaft
Als Bauherrin der Gebäude wendet das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL bei Bauvorgaben grundsätzlich die Kriterien für nachhaltiges Bauen an. Diese orientieren sich an gesetzlichen Vorgaben, Nachhaltigkeitsstrategien und der Schweizer Baukultur. Ende Juli erhielt das BBL von den Prüforganisationen nochmal gute Nachrichten. Gebäude D ist mit allen angestrebten Qualitätssiegeln ausgezeichnet: mit «Platin», dem höchsten Zertifikat für nachhaltiges Bauen SNBS Hochbau, mit dem Zertifikat Gutes Innenraumklima GI 2.0 und mit dem Zertifikat Minergie-P-ECO.
Alle drei würdigen herausragende architektonische Leistungen in den Bereichen Gebäude und Standort mit Blick auf den ganzen Lebenszyklus der Immobilie, Schadstoffe und Raumluftqualität sowie Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Dass alle Anforderungen erfüllt werden konnten, ist das Ergebnis von frühzeitiger, konsequenter und auf die komplexen Anforderungen ausgerichteter Zusammenarbeit in planungs- und gewerkeübergreifenden Teams.
Nun steht also, wo noch vor sechs Jahren eine mehrgeschossige Einstellhalle und eine Armeetankstelle in Betrieb waren, am nördlichen Ende des Geländes, flankiert von Papiermühlestrasse und Wankdorfcenter, das jüngste Bauwerk. Die Vorgaben dafür seien genau die gleichen wie für die in der ersten Etappe gebauten Gebäude A und B gewesen. «Und dennoch haben wir vieles ganz anders gelöst, weil das Gebäude nicht gleich ist und weil wir durch die Erfahrungen der ersten Etappe und den Dialog mit dem Bauherrn, dem Gebäudebetreiber, den Planern und den Unternehmern zu anderen Lösungen für das Gebäude und die zukünftigen Nutzerorganisationen gekommen sind», sagt Andrew Hall, Chefarchitekt bei Aebi & Vincent Architekten für Gebäude D.
Architektur: Stadt – Haus – Raum
Als das BBL 2009 in einem Architekturwettbewerb ein Überbauungskonzept erarbeitete, waren eine überzeugende Lösung für das gesamte ehemalige Zeughausareal und ein konkreter Projektvorschlag für eine erste Bauetappe gesucht. Städtebauliche und architektonische Qualität bildeten zusammen mit den Anforderungen der Nutzerinnen und Nutzer die wichtigsten Beurteilungskriterien. Die beste Umsetzung sah die Jury damals im Projekt «JOIN-Y» des Berner Teams Aebi & Vincent Architekten SIA AG.
In Gebäude D können 1200 Menschen arbeiten. Das entspricht der Bewohnerzahl eines kleinen Ortes. Dessen Gefüge von Wegen und Plätzen hat Hall in der Architektur nachempfunden. «Unsere Idee baut darauf auf, die Struktur von städtischen Räumen ins Haus zu holen, in die Geschosse zu ziehen und nachzubauen. Mit unterschiedlichen Geschosshöhen, mit verschiedenen Aus- und Durchblicken, mit Gemeinschaftsflächen und Sitzungsbereichen auf allen Geschossen, die wie kleine Plätze genutzt werden können.»
Vision: moderne Arbeitswelten
Die Gebäude der ersten Etappe wurden im Zeitraum 2013–2019 umgesetzt. Das Verwaltungszentrum am Guisanplatz war damals ein Pilotprojekt für verdichtetes Bauen. Zwischenzeitlich sind in Zollikofen und in Ittigen zwei weitere Verwaltungszentren als Campus-Standorte der Schweizer Bundesverwaltung gebaut worden.
Mit dem Rückbau der alten Einstellhalle begann am 25.1.2021 die zweite Bauetappe hinter dem Bauzaun aus Holz. Auch hier galt die strategische Ausrichtung des Bundes, Verwaltungseinheiten räumlich nah zusammenzubringen und mobilflexibles Arbeiten mit Desksharing in dafür passenden Projekträumen, Sitzungszimmern oder Begegnungszonen möglich zu machen. Bislang waren die Verwaltungseinheiten des VBS, das heisst der Armeestab, die Logistikbasis der Armee sowie das Kommando Ausbildung, an über zehn Standorten untergebracht. An nur einem Standort in einer modernen, vernetzten Arbeitsumgebung zu arbeiten, soll der Sache und den Menschen entsprechen. Heute stehen am Guisanplatz insgesamt 3900 Arbeitsplätze zur Verfügung; neben dem VBS auch für die Bundesanwaltschaft, das Bundesamt für Polizei, das Bundesamt für Rüstung sowie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz.
Teamwork: das grosse menschliche Abenteuer
«Was wir tun, ist ganz viel People-Business», sagt Dieter Buri, Gesamtleiter Generalplaner Aebi & Vincent Architekten. Mit seinem Team im Büro und auf der Baustelle sorgte er dafür, dass die Verantwortlichkeiten und die Arbeitswege zwischen den Beteiligten klar sind. Und am Ende, dass das beauftragte Projekt wie vom BBL bestellt durch das Architekturbüro übergeben werden konnte. Dazu gehörte auch, dass die, die am Projekt mitwirken – von den Maschinenführern in der Baugrube bis zu den Planern fürs Energiekonzept –, gut miteinander arbeiteten. Ohne das Team geht nichts – das ist einvernehmlicher Tenor aller Leute auf dem Bau.
Patrick Vogel von Reflecta AG sprach vom Bauprojekt als ein «Unternehmen auf Zeit». Als Risk Manager gab er den verantwortlichen Projektleitern seitens BBL, Generalplanern und den zukünftigen Nutzenden damit ein passendes Bild für die tägliche Führungsarbeit. Als zentrales Steuerungsorgan haben sie nicht nur dafür gesorgt, dass die Ziele im Projekt erreicht werden, sondern auch aktiv den Austausch mit externen Beteiligten gesucht.
Denn grosse Baustellen wirken im Quartier. Wie, zeigte sich beispielhaft in der Rohbauphase, als täglich Mitarbeitende von über 30 Firmen in LKW und Lieferwagen die Baustelle anfahren mussten. Doris Stucki sagt: «Wir wollten die Verkehrsflüsse für jede Phase des Baus durchdenken und die Rahmenbedingungen so definieren, dass der Verkehr für das Quartier nicht störend ist.» Die Bauingenieurin von BSB + Partner Ingenieure und Planer AG plante die Verkehrsführung für Gebäude D. Entscheidend war aber auch, klar und transparent darüber zu kommunizieren – wie zum Beispiel in den fix etablierten Treffen mit Vertreter/-innen der Nachbarschaft, der IG Wankdorf und dem Dialog Nordquartier.
Unverzichtbar: professionelle Bauleute
Als ihr Hauptwerkzeug nutzten die Chefbauleiter Roland Müller und Peter Siegenthaler die wöchentliche Bausitzung mit den beteiligten Unternehmern und Planern, an der die Arbeiten organisiert, koordiniert und anstehende Probleme gelöst werden konnten. Ein Beispiel für innovative Ansätze war die grosse Baugrube, die zwei Geschosse in die Tiefe reichte. Die Unterkante der 43 × 107 Meter grossen Bodenplatte liegt zirka 8,5 Meter unter dem Terrain und damit gut 4 Meter unter dem Grundwasserspiegel. Um Bauen im Grundwasser möglich zu machen, sondierten Geologen auf dem gesamten Areal des Verwaltungszentrums und der angrenzenden Umgebung mit geologischen Bohrungen und Grundwassermessstellen die Bodenbeschaffenheit und die Fliessrichtung des Grundwassers. Erst als die Baugrube wasserdicht und damit die Stabilität des Baugrubenabschlusses gewährleistet war, konnte bis in 8 Meter Tiefe sicher ausgehoben und abgefahren werden.
Das sei sehr vielseitig gewesen, so Christophe Sion, Projektleiter Tiefbau, weil verschiedene Spezialtechniken zum Teil zeitgleich zum Einsatz gekommen sind und rund um die Baugrube kaum Platz war. Hier hiess es, anders zu denken: Über eine schmale Rampe wurde Baumaterial in die Grube gebracht und Aushub oder Rückbaumaterial abgefahren. Die Spezialisten aus dem Spezialtiefbau arbeiteten parallel, um die Baugrubenwände mit Bohrpfählen und Stahlseilen zu sichern, sie stellten einen sauberen Baugrubenabschluss zu Gebäude A mit Jetting-Säulen her und verankerten das ganze Gebäude mit 173 Bohrpfählen sicher im Untergrund. Die Bodenplatte der früheren Einstellhalle wurde nach und nach zurückgebaut. Solange es ging, diente sie als Lager- und Rangierfläche. «Man muss Technik und Abläufe gut verstehen, damit man sie richtig koordinieren kann», so Christophe Sion.
Nun ist das Gebäude sechs Stockwerke in die Höhe gebaut, eingerichtet, bezugsbereit und zertifiziert. Ab Anfang September bis Mitte November werden die Verwaltungseinheiten einziehen. Der Abschluss der Umgebungsarbeiten ist bis Ende des Jahres geplant. Das Quartier bekommt neue Nachbarn.
CHRONOLOGIE
- 25.1.2021 Beginn der Bauarbeiten
- Juli–Dez. 2021 Befestigung Baugrube
- 29.9.2022 Grundsteinlegung
- Dez. 2023 Abschluss Rohbauphase
- 7.12.2023 Aufrichte
- 19./20.6.2024 Demontage Kran
- Mai 2025 Fassadengerüst abgebaut
- 24.6.2026 Eine Woche früher als geplant: Bauwerksübergabe an die zukünftigen Nutzerorganisationen
Gebäude D ist mit diesen Nachhaltigkeitszertifikaten ausgezeichnet: SNBS Hochbau «Platin» Gutes Innenraumklima GI 2.0 Minergie-P-ECO