Kehrt der neue Besen gut?
Seit Pfingsten 2026 wird das «Dolce Vita» vom ehemaligen «Villette Muri»-Pächter Giuseppe Pellegrino geführt. Wir haben das beliebte Lokal an der Scheibenstrasse besucht.
Noch ist es heiss und die Sommerkarte liegt auf. Doch schon bald legen sich hoffentlich die Schatten auf die Sonnenuhren, wie es bei Rainer Maria Rilke heisst. Wir sind an einem Mittag Mitte August gekommen, um zu schauen, ob das «Dolce Vita» an der Scheibenstrasse auch nach dem Pächterwechsel ein sicherer Hort für jene ist, die vor allem das Einfache und Zugängliche schätzen. Rund 25 Jahre lang führte die Familie von «Cavaliere» Adriano Tallarini das geräumige Ristorante mit Gaststube, Terrasse und Saal an der Scheibenstrasse unweit des Breitenrainplatzes. An Pfingsten hat der gebürtige Neapolitaner Giuseppe Pellegrino mit seiner Familie den Stab übernommen. Er kennt die Bedürfnisse der Berner Gastkundschaft und führte zuletzt mit seiner Tochter Consiglia das «La Villette» in Muri. Auswärtsesser mit noch besserem Gedächtnis erinnern sich sogar an seine davorliegende Zeit in der «La Pizzeria» am Bärenplatz.
Nun sind Pellegrinos also im «Breitsch» angekommen und haben schon an der einen oder anderen Stellschraube gedreht. Nicht zum Nachteil des Gesamteindrucks, wie wir an dieser Stelle verraten dürfen. Da wäre einmal das neue Tischgeschirr, das den Gerichten ohne riesigen Aufwand eine leicht edlere Note verleiht. Das Rezept der hausgemachten und ungemein wohlschmeckenden Salatsauce, an der sich manche Neubesucher unter intensiver Zuhilfenahme des Brotes schon bei der Vorspeise überessen, blieb zum Glück unangetastet. Der «Insalata della casa» mit Zwiebelringen ist für uns hier stets ein Muss – keine Angst, für Zwiebelhasser gibt es Alternativen. Am «Haussalat» zeigt sich exemplarisch das für städtische Verhältnisse besonders bemerkenswerte Preis-Leistungsverhältnis, das mit einem Blick auf die Quartier-Konkurrenz noch erfreulicher wirkt. Der günstigste Menüteller kostet bei unserem Besuch knapp 15 Franken und besteht aus einer sehr grosszügigen Portion Spaghetti alla Bolognese, die auch einen hungrigen Akkordmaurer herausgefordert hätte. In der fixen Karte wurden preislich spurenweise minime Anpassungen vorgenommen, die jedoch nicht wirklich schmerzen.
Das «Dolce Vita» bleibt, was es schon immer gewesen ist, auch, als es noch «Chrueg» hiess: Ein Quartierlokal mit tiefer Eintrittsschwelle, in dem sich fast alle Menschen zu Hause fühlen. Mit einer Küche, die durch ihre geografische Ausrichtung beliebt und mehrheitstauglich ist. An der Bar sitzen immer noch die «Stangentrinker» und schauen zu, wie sich auf dem grossen Bildschirm Audrey Werro in den 800-Meter-EM-Final zittert. Für das Bürolisten-Quartett an der Fensterfront gibt es eine Runde Pizza. Die Terrasse ist voll belegt. Und im inneren Teil der Gaststube baut ein emeritierter Professor in Erwartung seiner bald nahenden Spielkameraden bereits die Utensilien für einen gemütlichen Jassnachmittag auf. So sind wir guten Mutes, dass es die Pellegrinos hier ähnlich lange wie ihre Vorgänger aushalten könnten. Vedremo!
INFOS
Adresse:
Scheibenstrasse 25, 3014 Bern
Telefon 031 331 55 15
Öffnungszeiten:
Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag
8.00 bis 23.30 Uhr
Freitag und Samstag
8.00 bis 00.30 Uhr
Dienstag geschlossen