Corinnas Quartier Talk mit Alexandra von Arx
In Beziehungen entstandene Verletzungen brauchen Beziehung, um zu heilen. Hier setzt Alexandra von Arx an. Ihr Angebot ist vielschichtig. Nebst ihrer Arbeit als Komplementärtherapeutin mit eidg. Diplom, Coach und Supervisorin schreibt Alexandra Fachtexte über die therapeutische Arbeit. Zudem ist sie in der Ausbildung angehender Berufskolleg:innen tätig. Besonders beschäftigt sie die Auseinandersetzung mit individuellen und kollektiven Traumatisierungen.
Könntest du den Leser:innen die Bedeutung und Wirkung der Craniosacral-Therapie etwas näherbringen?
Craniosacral-Therapie ist eine eidgenössisch anerkannte Methode der Komplementärtherapie. Die Behandlungskosten werden entsprechend von Zusatzversicherungen grösstenteils übernommen. Sie bietet Unterstützung bei Beschwerden und in belastenden Lebenssituationen und ist besonders empfehlenswert bei Schmerzzuständen, für die Nachbehandlung von Schock und Trauma, zur Unterstützung von Genesung und Rehabilitation sowie für die Integration von Veränderungsprozessen. Was ich an dieser Arbeit liebe, ist, dass ich dabei mit einer grösseren organisierenden und reparierenden Kraft kooperiere. Wenn ich einen Menschen während einer Behandlung achtsam berühre und dabei eingestimmt lausche, kann ich wahrnehmen, wie der Körper selbst nach Regulation und Ausgleich strebt. Meine Aufgabe ist es, mit meiner Präsenz und Ausrichtung einen Raum zu halten, in dem sich diese Prozesse möglichst frei entfalten können. Wir sprechen dann von Selbstregulation oder von den Selbstheilungskräften des Körpers.
Wen sprichst du mit deinem Angebot an?
Diese sanfte, nicht invasive Körpertherapie findet bekleidet und zumeist in einer entspannten, liegenden Position statt und eignet sich für jede Altersgruppe – vom Säugling bis zum hochbetagten Menschen. Ich selber arbeite jedoch zumeist mit Erwachsenen.
Welche Themen sind die Hauptthemen deiner Klient:innen?
Weil ich mich viel mit Bindungsverletzungen und Entwicklungstraumata auseinandergesetzt habe, sind es oft Menschen mit diesem Hintergrund, die den Weg zu mir finden. Menschen mit viel Scham und Schuldgefühlen, die sich beispielsweise für ihre Gefühle oder Tränen entschuldigen. Menschen, denen es schwerfällt, mit sich selber mitfühlend und verständnisvoll zu sein, die Schwierigkeiten mit Zugehörigkeit und Abgrenzung haben oder meinen, es allen recht machen zu müssen. Die Symptome sind vielfältig. Gemeinsam ist vielen jedoch, dass sie den Kontakt zu sich selbst, ihrem authentischen Ausdruck oder zu ihren eigenen Bedürfnissen verloren haben oder nie richtig entwickeln konnten.
Wie gehst du bei einer Behandlung vor?
Wir führen zuerst ein Gespräch und finden heraus, worum es geht und was sich mein Gegenüber für sich wünscht. Danach wechseln wir meistens auf die Liege. Dabei ist mir wichtig, dass wir nicht einem vorgegebenen Plan folgen. Ich orientiere mich an dem, was Klient:in mitbringt und was sich im Moment zeigt. Wir erforschen gemeinsam, was auftaucht und was davon wichtig ist. Gerade wenn es um zwischenmenschliche Verletzungen geht, ist es wichtig, dass Menschen Wahlmöglichkeiten haben und ihr eigenes Tempo bestimmen können. Wieder im Sitzen schliessen wir mit einem reflektierenden Gespräch und einem kurzen Ausblick ab.
Zeigen sich sofortige Reaktionen oder stellt sich der Körper erst mit der Zeit auf die Behandlung ein?
In der Regel können Klient:innen schon auf der Liege neue Erfahrungen machen. So kommen sie beispielsweise mehr in Kontakt mit sich selbst und ihren Empfindungen, können eine tiefe innere Ruhe oder ein Gefühl von Aufgehobensein erleben. Manchmal ist auch einfach die Erfahrung wichtig: Ich darf hier sein, ohne etwas leisten zu müssen. Ich bin willkommen mit allem, was gerade in mir lebt. Insbesondere für Menschen, die lange in einem Zustand von Anspannung oder Anpassung gelebt haben, kann das eine neue und heilsame Erfahrung sein. Manchmal zeigt sich eine Wirkung auch erst später – etwa indem sich der Schlaf verbessert, Ängste handhabbarer werden oder jemand im Alltag plötzlich etwas anders wahrnimmt, eine Grenze früher spürt oder in einer schwierigen Situation mehr Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung hat.
Wie viele Sitzungen sind in etwa nötig, um ein Thema zu bearbeiten?
Das ist sehr individuell. Geschichte entfaltet sich in Schichten. Manchmal bringt schon eine einzelne Sitzung etwas Wesentliches in Bewegung, manchmal braucht es mehr Zeit.
Was hat dich zum Berufsfeld der Craniosacral-Therapie geführt?
Mein Interesse für Menschen. Weshalb ist ein Mensch, wie er ist? Und wie kann Zusammenleben gelingen? Zuerst habe ich vor allem Antworten in der Literatur gesucht. Irgendwann kam dann der Wunsch, mich nicht nur intellektuell damit auseinanderzusetzen, sondern ganzheitlich. Mit meiner Arbeit habe ich eine Möglichkeit gefunden, mich für eine bessere, liebevollere Welt einzusetzen.
Du hast unter anderem Theaterwissenschaft, Journalismus und Kommunikationswissenschaft an der Uni Bern und Fribourg studiert. Hast du auch auf diesen Fachgebieten gearbeitet?
Ja, ich war viele Jahre in der Kultur tätig, habe in der Kulturförderung wie auch im Kulturjournalismus gearbeitet, Lesungen und Festivals organisiert.
Wenn du dir selber Gutes schenken möchtest, wohin zieht es dich im Nordquartier?
Bei Hunger ins 3 Dosha, weil da alles frisch und vegetarisch zubereitet wird. Und sonst immer wieder gerne in den Botanischen Garten.
Und wenn du Kultur erleben möchtest, wo ist dein «place to go»?
Mein Mann Don Li hat vor über 20 Jahren in der Altstadt das Konzertlokal Orbital Garden gegründet. Seither finden dort einstündige musikalische Reisen durchs Weltall statt.
Kontaktinfo:
+41 76 516 70 28
Mezenerweg 9b, 3013 Bern