BEAT-MAN ZELLER UND SEIN VOODOO RHYTHM

Wie ein Berner Label die Welt zum Beben bringt

Seit 13 Jahren fasziniert Beat-Man Zeller seine Zuhörer:innen mit den Klängen des Voodoo-Rhythmus. Er gab uns spannende Einblicke in sein Leben, die Faszination an dieser Musikrichtung und seine künstlerische Tätigkeit.

Bianka Balmer
P10166317_AfdN_07_2026_HIGH 23-2_rgb.jpg
Bilder: zVg

Lieber Beat-Man, erzähl uns doch etwas über dein bisheriges Leben.
1967 wurde ich in der Länggasse, damals eine Art Berner Quartier der Einwanderer und Arbeiter, geboren. In der 5. Klasse zogen wir nach Hinterkappelen, wo ich meine Jugend in der Natur mit dem schönen Wohlensee und neuen Freunden in vollen Zügen genoss.

Nach der Schule begann ich meine Ausbildung und wurde durch Kontakte meines Chefs in viele Clubs, in denen ich mitarbeitete, quasi schon als junger Bub ins Berner Nachtleben «hineingeboren». Ich machte schon damals viel Musik und zeichnete Plattencover. Nach dem Lehrabschluss startete ich meine Karriere als Musiker – in finanzieller Hinsicht seinerzeit ein absolutes Desaster und hinsichtlich der Lebenserfahrung das Beste, was ich je gemacht habe.

Ich bin Vater zweier Kinder aus verschiedenen Beziehungen. 18 Jahre lang gehörte zu meiner Familie ausserdem meine leider vor Kurzem verstorbene Katze, die ich sehr vermisse.

Die Entscheidung, die Musik vom Hobby zu meinem Beruf zu machen, bedeutet einerseits, oft rund um die Uhr zu arbeiten, und andererseits, meine Berufung umgesetzt zu haben – eine der besten Entscheidungen meines Lebens. In meiner Freizeit schaue ich mir gern Filme an und gehe ins Fitnessstudio.

«Seit 30 Jahren lebe ich im Breitenrain-Quartier. Ich mag die Menschen und das Urbane hier.»
Das Dolce-Vita-Feeling, der Asia-Shop, den es inzwischen leider nicht mehr gibt, das frühere «Lluna» als Treffpunkt der südamerikanischen Community, den Breitsch-Treff mit tollen Leuten und ebensolchem afrikanischen Essen, den afrikanischen Barbershop, die neue Gelateria und vieles mehr sorgen dafür, dass ich mich hier zu Hause fühle. Leider wird die Schweiz im Ausland häufig als abgeschottet, rechtsgerichtet und spiessig wahrgenommen. Ich teile dieses Bild nicht und geniesse das Leben in «meinem» Breitsch als Arbeiterquartier, das er meiner Meinung nach auch immer bleiben soll.

«Zum Voodoo-Rhythmus brachte mich der profitorientierte Musikmarkt der 80er-Jahre.»
Dass das Künstlerische nicht mehr im Vordergrund stand, brachte mich damals zur Verzweiflung. Wie vielen Menschen auf der ganzen Welt kam auch mir die Idee, ein unabhängiges Label zu produzieren. Meins nannte ich «Voodoo Rhythm» – zum einen wegen eines Songs der «Meteors» mit dem gleichen Titel und zum anderen, weil Voodoo eine Religion ist, die sich mit dem inneren Guten und Bösen auseinandersetzt. Das faszinierte mich und so liess ich diese Grundidee in mein Label einfliessen. Zudem hatte ich schon in der Schule viel gezeichnet und war fasziniert von Schallplattenhüllen verschiedenster Künstler:innen.

«Jedes Jahr gebe ich ca. 200 Konzerte auf der ganzen Welt.»
Meinen Lebensunterhalt verdiene ich vor allem mit Auftritten. Durch die Möglichkeit, die Musik gratis herunterzuladen oder zu streamen, wirft das Label leider nicht mehr viel Geld ab.

Jährlich gebe ich ca. 200 Konzerte auf der ganzen Welt – in Europa, Asien, Afrika sowie Nord- und Südamerika. Die Gagen sind eher klein und ich spiele selten an grossen Festivals, bin aber sehr glücklich über und dankbar für meine weltweite Fangemeinde (lächelt).

Allein auf der Bühne, gemeinsam im Herzen der Musik
Obwohl ich meistens als Solo-Künstler auftrete, arbeite ich mit sehr vielen verschiedenen Künstler:innen zusammen: Seit ca. 40 Jahren mit «The Monsters» (Schweizer Garage-Punk-, Trash-Rockabilly- und Rock-’n’Roll-Band) oder in Kollaborationen mit Milan Slick (Berner Multi-Instrumentalist), Mario Batkovic (Schweizer Komponist und Akkordeonist), Resli Burri (Schweizer Musiker, Komponist und Kabarettist), Beatrice Graf (Schweizer Jazzmusikerin), Julian Sartorius (Schweizer Schlagzeuger, Perkussionist und Komponist), Meret Matter (Schweizer Theaterregisseurin, Kulturschaffende und Tochter des Chansonniers Mani Matter) und Bye Beneco (Künstler- und Musiker-Trio aus Südafrika). Diese Liste liesse sich noch endlos fortsetzen.

Was war dein bisher spannendster Auftritt? Gab es ein besonderes Erlebnis?
Die nächsten sind die spannendsten: Du musst unbedingt zum Garten-Festival in Kairo oder zum Open Air am Bielersee kommen! Ausserdem spiele ich zum Beispiel sehr gerne in Mexico City oder in Japan: Obwohl das Leben der Menschen dort häufig sehr durchgeplant ist, kennt ihre Kreativität keine Grenzen.

Voller Tatendrang: Musik und Film auf der Zielgeraden
Als nächstes ist ein neues Projekt mit Bye Beneco geplant: Seit einem Treffen mit der südafrikanischen Synth-Pop-Band arbeiten wir zusammen. Ich habe mein ganzes Geld «zusammengekratzt», um sie hierherzubringen und ein Album aufzunehmen – mit Erfolg: Es erscheint noch in diesem Jahr. Ausserdem arbeiten wir gemeinsam mit Steff Bossert (Schweizer Kameramann, Regisseur, Dozent und Filmschaffender) an der Fertigstellung des Spielfilms «Punk in die Zukunft» (Arbeitstitel), der sich derzeit im Schnitt befindet und voraussichtlich Ende dieses Jahres in die Schweizer Kinos kommt.

Offen für das Unerwartete
Aus meiner Erfahrung sind Wünsche und Pläne eher Schein und haben selten etwas mit der Realität zu tun. Mein Lebensmotto: Ich plane selten etwas. Wenn sich eine Tür öffnet, gehe ich hinein und schaue, was sich mir bietet. Für einen Typen wie mich war meine Schulzeit und die meiner Kinder aufgrund der notwendigen Vorplanungen nicht sehr angenehm – aber alles ist glücklicherweise gut gegangen.

Mit dieser Einstellung – auch im Label – sind wir so etwas wie eine «lockere Arbeitsgemeinschaft», die vor allem arbeitet, weil es Spass macht. Ich habe eigentlich auch keine Erwartungen und freue mich über das, was ich habe und die Gelegenheiten, die sich mir bieten, um etwas beitragen zu können – «easy Bern/Breitsch-Style» halt (lacht).

«Musik und Kultur verbinden – lasst sie niemals verstummen.»
Abschliessend mein Rat: Geht an Konzerte und erlebt Kultur im Allgemeinen. Lasst euch die Begeisterung nicht nehmen – auch nicht von denen, die allem zuerst mit Skepsis begegnen. Musik und Kultur sind die grössten Gaben, die es gibt. Sie verbinden Menschen, unterschiedlichste Kulturen finden zusammen und selbst die höchsten Mauern können dadurch eingerissen werden. Das ist auch ein Grund, weshalb autoritäre Regime Kultur und Kunst oft verbieten, einschränken oder kontrollieren wollen. Gebt Sorge zu unserer ganz eigenen Kultur – sie ist Gold wert und einfach verdammt geil.

Lieber Beat-Man, vielen Dank für dieses spannende Interview. Wir wünschen dir alles Gute!

afdn_skyscraper_migros-min.jpg