«BERNISCH-KANTONALES» AM 5. JULI

Die Schwingelite im Nordquartier

Am kommenden Wochenende findet im Wankdorf das «Bernisch-Kantonale» statt. Erinnerungen ans «Eidgenössische » 1998 werden wach.

Jean-Claude Galli
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Jörg Abderhalden nach seinem Sieg im Schlussgang gegen Werner Vitali. Bild: Screenshot SRF reisen.

Wenn sich nächsten Sonntag im Wankdorf beim Bernisch-Kantonalen Schwingfest die Athleten um den Siegermuni Friedrich Wilhelm balgen, haben viele Fans und Chronisten wieder Bilder vom 30. August 1998 im Kopf. Vor 38 000 Zuschauern bezwang Jörg Abderhalden als 19-Jähriger damals im Schlussgang des «Eidgenössischen» Werner Vitali. Dieses Ereignis markierte den Beginn des bis heute anhaltenden Schwingbooms, der auch dazu führt, dass SRF 1 das «Kantonale» live überträgt.

Die nationalen TV-Bilder sind massgeblich für den Hype um die «Bösen» verantwortlich. Und diese Entwicklung basiert auf einem historischen Fehlentscheid von 1998. Kurz vor dem Schlussgang entschieden die SRF-Verantwortlichen nämlich, vom «Eidgenössischen» auf die Formel-1-Übertragung aus Belgien umzuschalten. Die Ausweichmöglichkeit mit SRF info gab es erst ab 1999.

TeleBärn, welches mit dem damaligen Chef Marc Friedli früh das Schwingpotenzial erkannte, zeigte hingegen das ganze Fest und den Schlussgang. Bei SRF gingen haufenweise Protest-Anrufe und Briefe von erzürnten Schwingfans ein. Und die Einschaltquote beim Regionalsender erreichte mit 68 Prozent Marktanteil Rekordhöhe. In der Zwischenzeit hat SRF den Fehler von damals mit unzähligen Vollübertragungen kompensiert und gibt diesem Sport ein derartiges Gewicht, das man angesichts der Zahl der Aktivschwinger auch als übertrieben empfinden könnte.

Saner und Hunsperger unterhielten die halbe Schweiz

Hautnah dabei am 30. August 1998 war Radio-Legende Albi Saner. «An die meisten Gauverbandsfeste ging ich bereits in den 1990er-Jahren für Radio Extra Bern. Es gab jeweils eine Sonntagmorgensendung mit Musik. Zur halben Stunde vermeldete ich jeweils live den neusten Stand von den Plätzen. So rutschte ich in die Szene hinein», erinnert sich Saner gegenüber dem «Anzeiger für das Nordquartier».

«Doch der Anfang war hart. Was will der Städter hier, fragten sich die Landleute zuerst. Deshalb war auch immer ein Experte dabei. Die schönste Zeit hatte ich mit dem 2018 verstorbenen Ruedi Hunsperger. Von ihm lernte ich viel, auch menschlich. Und was er zum Schwingen sagte, war Religion. Rüedu war extrem beliebt bei allen, was auch mir punkto Akzeptanz half.»

1998 war Saner ebenfalls mit Hunsperger vor Ort. «Vor dem Schlussgang realisierten wir, dass SRF auf den Motorsport setzt. Und die halbe Schweiz hörte dann Radio Extra Bern und schaute TeleBärn mit dem Kommentar von uns.»

Später wurde Saner fixer Schwingkommentator des Berner TV-Senders. Am 5. Juli ist er mit Roger Brügger im Wankdorf. Matthias Fuchser moderiert, Experte ist Matthias Glarner. TeleBärn und SRF 1 zeigen das «Bernisch-Kantonale» ganztägig.

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Abderhalden mit Siegermuni Ueli 1998 im alten Wankdorf. © jabderhalden.ch
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