BRAUKUNST BERN

Die Kunst des Brauens als Krönung eines Handwerks

Seit zehn Jahren wird am Libellenweg Bier gebraut. Die Braukunst GmbH ist eine von rund 200 Brauereien im Kanton Bern und hat sich in einem umkämpften Markt etabliert. Die Verbindung von Kunst mit der Leidenschaft des Bierbrauens äussert sich unter anderem durch das Angebot von individuellen Bieren. Und durch die künstlerischen Etiketten.

Martin Jost
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«Zehn Jahre Braukunst Bern war ein Meilenstein»: Alex Chevalley, Mitgründer der Braukunst Bern, in der Brauerei am Libellenweg. Bilder: mj

Kunst kann als Ergebnis menschlichen, kreativen Schaffens bezeichnet werden. Mit dem Kunstwerk wird diesem Prozess am Ende die Krone aufgesetzt. Oder der Schaum, wie es sich für ein gutes Bier gehört. Jenes Getränk, das aus unserer Kultur nicht wegzudenken ist und vermutlich bereits besteht, seit der Mensch begonnen hat, zwecks Ernährung den Boden zu bewirtschaften. Die Herstellung des alkoholhaltigen, meist kohlensäurehaltigen Getränkes, das durch Gärung aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser entsteht, kann also getrost als Kulturgut bezeichnet werden. Weil dahinter die Kunst des Brauens steckt, die jedem Bier seinen eigenen Geschmack beschert. Und weil Bier Tradition und Geschichte hat.

So gesehen schreibt Alex Chevalley an einer Geschichte, die viel mehr ist als eine Bieridee: «Tatsächlich ist die Idee bei einem Bier entstanden», blickt der Gründer der Braukunst Bern zurück, «ich arbeitete damals in der Brauerei Felsenau, zusammen mit zwei Arbeitskollegen entstand die Idee, selbst Bier zu brauen.»

Bierbrauen zu Hause

Was sie denn auch taten, an Wochenenden im Haushalt des einen oder anderen. «Einfach ein bisschen Bier brauen, das war unser Antrieb; trotzdem war uns eine geordnete Rechtsform wichtig, also gründeten wir schon bald eine GmbH.» Das sei jedoch noch ohne Absicht auf ein eigenes Geschäft geschehen, sagt der ausgebildete Lebensmitteltechnologe, das Bier haben sie selbst konsumiert oder im Bekanntenkreis verschenkt. So, wie der Appetit oft erst beim Essen entsteht, so kamen die drei je länger, je mehr auf den Geschmack, ein eigenes Geschäft aufzubauen.

Heute leistet Alex Chevalley ein Vollzeitpensum in der Firma, das Gründungsmitglied Gian-Andrea Brunner, ausgebildeter Bierbrauer, hat ein 50%-Pensum, ebenso Pierre Dubler als administrativer Leiter. «Dass wir in diesem Jahr das 10-jährige Bestehen der Firma begiessen konnten, ist ein Meilenstein», sagt der Firmengründer, «wir haben die Ziele mehr als erreicht, weil wir davon leben und nicht nur überleben können.» Dass sich eine kleine, unabhängige Bierbrauerei in einem gesättigten Markt durchsetzt, darf als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Umso mehr, weil der Konsum von Bier tendenziell rückläufig ist.

Keine Kompromisse bei der Qualität

Es habe tatsächlich niemand auf sie gewartet, bestätigt Alex Chevalley, und die Frage, ob es so etwas wie ein Erfolgsgeheimnis gebe, kann er nicht schlüssig beantworten: «Ein Grund kann sein, dass wir beiden Mitgründer als Bierbrauer ausgebildet sind, was uns gegenüber anderen vielleicht einen kleinen Vorsprung gibt. Zudem setzten wir von Anfang an vorwiegend auf helle, untergärige Lagerbiere, die sehr beliebt sind. Obschon deren Produktion die anspruchsvollste ist.» Von ihrem Weg seien sie nie abgewichen, auch nicht vom Bestreben, in der Einhaltung von gleichbleibender hoher Qualität keine Kompromisse einzugehen.

Das ist für die Betreiber der Braukunst Bern ebenso ein Muss wie die Offenheit gegenüber neuen Kreationen: «Nachdem die Firma auf soliden Beinen stand, wollten wir vermehrt Raum schaffen für Experimente. Seit gut zwei Jahren bieten wir eine Linie von Spezialbieren an, die mit heimischen Kräutern und Früchten gebraut sind.» Diese Linie wird jedes Jahr mit dem einen oder anderen Bier erweitert und muss sich erst noch auf dem Markt etablieren. Einen weiteren wichtigen Punkt zu einem erfolgreichen Fortbestand sieht Alex Chevalley darin, dass die Inhaber einen Teil des Gewinns immer wieder in neue Infrastruktur und somit in die Sicherung der hohen Qualität investieren.

Kreativ und individuell

Und schliesslich soll der Firmenname auch Programm sein, der Bezug zur Kunst wird durch spezielle Flaschenetiketten sichtbar. Die unterschiedlichsten Sujets werden von einer professionellen Grafikerin kreiert; meist in einfachen, klaren Formen, denn auch Grafik hat wie das Bierbrauen ein Handwerk als Basis. «Tatsächlich haben sich die Arbeitsschritte beim Bierbrauen im Lauf der Zeit kaum verändert, es ist und bleibt ein Handwerk.» Bier mag noch so sorgfältig produziert und genussvoll sein, die Etiketten noch so kreativ: Absätze sind deswegen nicht garantiert.

Der Verkauf ihres Produktes ist auch für die Bierbrauer aus dem Industriequartier im Galgenfeld letztlich die Essenz zum wirtschaftlichen Überleben. Es gelte, so Alex Chevalley, die Balance zu finden zwischen den Fakten, dass das Geschäft mit Bier ausschliesslich über die Menge funktioniert und anderseits nur regional betrieben werden kann. «Wir fokussieren uns in erster Linie auf Restaurants und Lokale in der Stadt Bern. Unser wichtigster Kunde ist im Breitsch, wir sind in zehn Minuten bei ihm.» Alex Chevalley sieht die Zukunft in einem bescheidenen Wachstum, regional und mit kurzen Lieferketten. Und in einer Kombination aus Qualität und persönlicher Nähe zur Kundschaft. Ergänzt mit einem hohen Grad an Individualität, der so weit geht, dass ein Lokal ein Bier exklusiv für sich herstellen lassen kann.

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