Corinnas Quartier Talk mit Fredy Bickel
Gerade eben macht die Schlagzeile, dass Fredy Bickel nach knapp eineinhalb Jahren den Verwaltungsrat des FC Winterthur verlässt, die Runde. Davor war Fredy FCZ-Sportchef und zweimal bei BSC YB unter Vertrag: von 1999 bis 2002 als Manager und von 2013 bis 2016 als Sportchef. Seit über einem Jahr führt er gemeinsam mit Regula Esposito (bekannte Schweizer Komikerin und frühere Musikerin) in Mettmenstetten das Gasthaus «Zum Weissen Rössli».
Neben seiner Leidenschaft für den Fussball frönt er, falls es die vielen Arbeitsstunden im «Weissen Rössli» erlauben, noch immer gerne dem Jassen und versucht jeden Abend ein paar Seiten in Biografien zu lesen. Seit Kurzem schreibt er zudem im «Affoltener Anzeiger» eine Kolumne über interessante Menschen. Und übrigens, für jene, die es noch nicht wissen, Fredy ist ein grosser Edith-Piaf-Fan.
Seit Jahren bist du weg aus Bern und dem Nordquartier, Fredy. Welche Erinnerung hast du an den Breitenrain, die Lorraine, den Wyler?
Ja, ich bin schon beinahe zehn Jahre weg und trotzdem ist noch immer eine tiefe Verbundenheit da. In erster Linie zur Umgebung des Wankdorfs, wo ich mich aus beruflichen Gründen beinahe täglich für Arbeit, Sport und Genuss – ich denke da an meine umliegenden, kleineren Stammbeizen – aufhielt. Privat war mein Lebensmittelpunkt in der Altstadt und im Marzili.
Wenn du Freunde in Bern besuchst, trifft man dich noch hier im Quartier an?
Selbstverständlich. Meine bevorzugten Restaurants in der Altstadt und rund ums Wankdorf werden immer als Treffpunkte favorisiert.
Was zieht dich, neben den Freunden, nach Bern?
Erinnerungen, Wohlgefühle. Ich habe in Bern zusammengezählt über sechs Jahre gelebt. Ich bin ein herzverbundener, heimattreuer Mettmenstetter, ein «Säuliämtler». Nicht dort zu wohnen (meine Schriften blieben mein ganzes Leben immer in meinem Heimatort), kommt für mich nicht infrage. Falls ich diesbezüglich meine Meinung ändern sollte, gäbe es für mich nur einen Wohnort als Alternative: Bern!
Welche Erinnerungen hast du an das Wankdorf, das zu deiner Zeit noch Stade de Suisse hiess?
Ich behalte die vielen schönen Erinnerungen in mir; das alte Wankdorf, das letzte Spiel gegen Lugano, die wöchentlichen Zusammenkünfte mit den älteren Quartierbewohnern. Die wartenden Fans bei unserer Ankunft, nachdem der Aufstieg feststand. Das Feiern und Singen zusammen vor der Tribüne. Und auch die Freundschaften, die vielen guten Gespräche, die rund um diesen Ort entstanden sind.
Wie sehr bist du heute noch mit dem Berner Fussball verbunden?
Ich schaue mir die Spiele an, aber nicht im Stadion. Ich habe noch immer regelmässigen Kontakt mit den meisten Menschen, die zu meiner Zeit schon für YB gearbeitet haben, und treffe mich hin und wieder mit einigen wunderbaren Fans und YB-Freunden, die mich schon in Wien, Mettmenstetten oder an Europacup-Partien im Ausland besucht haben.
Du bist seit über einem Jahr mit der Komikerin Regula Esposito verheiratet. Lacht ihr viel zusammen?
Wir haben Rituale: Ich bringe ihr am Morgen den Kaffee ans Bett. Vor dem Schlafengehen trinken wir immer ein Glas Rotwein zusammen und rauchen eine Zigarette. Und das Schönste dabei ist, wir können wirklich jeden Tag zusammen und auch übereinander lachen.
Gemeinsam mit Regula führst du das Gasthaus «Zum Weissen Rössli» in Mettmenstetten, wo ihr auch lebt. Wie fühlt sich das Leben als Gastronomen an?
Das Leben ist zu kurz, um es sich nicht gut anfühlen zu lassen. Habe ich eine Aufgabe, setze ich mich mit aller Kraft ein – so wächst auch die Freude über jede neue Herausforderung. Ich habe keine Ahnung als Gastronom, fühle mich jedoch in meiner Rolle richtig wohl.
Was vermisst du am Fussball?
Auf mich persönlich bezogen die Verbundenheit, die Zusammengehörigkeit, die Emotionen.
Mit welchen Fussballern verkehrst du noch heute?
Ich bin schon fast demütig für das Glück, noch immer mit einer grossen Anzahl von Spielern aus meiner Zeit im Kontakt stehen zu dürfen. Das zeigt sich auch dadurch, dass mindestens einmal pro Woche irgendwer im «Rössli» auftaucht und wir herrlich über die Welt und den Fussball reden können.
Welche schöne Geschichte bleibt dir im Zusammenhang mit Bern in Erinnerung?
Es ist nicht eine Geschichte; es ist meine Geschichte vom Leben in der Berner Altstadt, wo ich Abend für Abend ass, wo ich mich mit Menschen identifizieren konnte, wo Freundschaften zu Politikern, Musikern, Künstlern, Quartierbewohnern oder einfach bodenständigen Berner:innen entstanden sind, die zum Teil noch heute Bestand haben.
Und welche Frage wurde dir noch nie gestellt? Und wie würde deine Antwort hierauf lauten?
Welche Berner Musiker ich am meisten verehre. Da mir diese Frage jedoch noch nie gestellt wurde, beantworte ich sie mir nun an dieser Stelle selber: Liebe Grüsse an Cuco, Büne und Kuno!
Fredy, danke für deine Antworten und deine Zeit!