AUF DEN FLÜGELN DER MUSI

Valentina Stadler und die Kunst der Oper

Die lyrische Mezzosopranistin Valentina Stadler fasziniert als Opern- und Konzertsängerin ihr nationales und internationales Publikum. Sie gab uns Einblicke in ihr spannendes Leben und Tätigkeitsfeld.

Bianka Balmer
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Valentina Stadler in der Rolle der Fiora aus Verdis Oper «La Traviata» in der Philharmonie Paris. Bild: zVg

Valentina Stadler gastiert an Opernhäusern und bei Festivals wie dem Teatro Comunale di Bologna und der Ópera de Tenerife (Cherubino/Le Nozze di Figaro), beim Teatro Regio di Parma (Fidalma/Il matrimonio segreto), bei den Audi-Sommerkonzerten (Stéphano/Romeo et Juliette), bei den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen, den Innsbrucker Festwochen (Gismonda in Ottone/Händel) und der Semperoper Dresden (Modestina/Il Viaggio di Reims). Dabei arbeitet sie mit Dirigenten wie Elias Grandy, Yi-Chen Lin, Zubin Mehta, Jonathan Nott und Keri-Lynn Wilson. Die Einführung auf der Website macht neugierig, mehr zu erfahren über die in Karlsruhe (Deutschland) aufgewachsene und seit knapp drei Jahren mit ihrer Familie im Berner Breitenrain lebende Powerfrau.

Liebe Valentina, erzähl uns doch etwas über dich und dein Leben!
Schon seit meiner frühen Jugend war für mich klar, dass ich klassische Sängerin werden möchte.

Im Alter von 11 Jahren hörte ich auf einem Geburtstagsfest zum ersten Mal live eine Opernsängerin. Ich war so überwältigt von dieser Art sich auszudrücken, dass ich mich danach mit ihr unterhielt und fragte, ob man das lernen könne. So erfuhr ich von der Möglichkeit, Unterricht zu nehmen und plagte fortan meine Mutter so lange damit, bis ich mit 13 Jahren meinen ersten Gesangsunterricht bekam (lacht).

Nach dem Abitur wollte ich erst mal so weit wie möglich raus in die Welt. Deshalb habe ich mich in New York für ein Gesangsstudium beworben. Nach zwei Semestern an der Manhattan School of Music packte mich jedoch das Heimweh nach Europa und ich bin nach Berlin gezogen, wo ich an der Hanns-Eisler-Hochschule für Musik meinen Bachelor und Master absolvierte.

Rückblickend muss ich heute sagen, dass ich anfangs keinerlei Ahnung von der beruflichen Realität hatte. Selbst das Gesangsstudium war teilweise nicht immer berufsnah und vieles musste ich einfach während der ersten Jobs selbst erlernen. Nach mehreren Jahren einer Festanstellung im Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters musste ich mich als Freischaffende nochmal ganz neu finden: Wer bin ich und was will ich mit meinem Gesang bei den Menschen erreichen? Was liegt mir und was liegt mir nicht? Das alles klar zu wissen war sehr wichtig.

Zwischen den Bühnen Europas und der Ruhe Berns
Seit einigen Jahren lebe ich in der Schweiz und arbeite von hier aus als freischaffende Künstlerin in Europa – vorwiegend in der Schweiz, in Deutschland, Italien und Frankreich. Für meinen Beruf muss ich viel reisen und Bern ist gut gelegen, um schnell alle möglichen Städte in den umliegenden Ländern zu erreichen.

Die Ruhe, die umliegende Natur und die Ausflugsmöglichkeiten hier geniesse ich sehr: Vor allem die Aare im Sommer und das Naturschutzgebiet in Muri sind für mich ein absoluter Ruhepol und Lebensqualität. In Bern läuft die Zeit noch ein bisschen anders als in vielen anderen Städten – ein schöner Ausgleich zu meinem sonst eher hektischen Beruf.

Mein grosses Hobby sind definitiv Sprachen: Ich liebe es, als Sängerin mit so vielen Sprachen und mit ihren unterschiedlichen Kulturen in Berührung zu kommen. Ausserdem liebe ich gutes Essen, starken Kaffee, Oldtimer, interessante Bücher und alles rund um das Thema Naturheilkunde.

Welche Projekte stehen derzeit im Mittelpunkt deiner Arbeit?
In den letzten Jahren hatte ich einen schönen Ausgleich zwischen Opernproduktionen, Konzerten und Liederabenden. Ich bleibe gern flexibel und bin froh, wenn ich so viel verschiedene Musik aufführen und dem Publikum auf unterschiedliche Weisen gegenübertreten kann. Gerade die intime Begegnung des Liedgesangs, mit dem man viele Freiheiten der Gestaltung hat und die Menschen sehr direkt abholen kann, liegt mir sehr am Herzen.

Welche Menschen besuchen deine Konzerte besonders häufig?
Tendenziell ist das Publikum eher älter, insgesamt ist aber nahezu jede Altersgruppe vertreten.

Ich glaube, dass klassische Musik für viele Menschen eine grosse Bereicherung sein kann. Sie spricht wichtige Themen des Lebens an und kann gerade in schwierigen Zeiten Trost geben.

Wünsche und Zukunftspläne
Ein wichtiges Anliegen ist mir seit einiger Zeit humanitäre Hilfe; Ich versuche, z.B. mithilfe von Benefizkonzerten, zu unterstützen und hoffe, diesbezüglich in Zukunft noch mehr zu erreichen. Wir leben in schwierigen Zeiten. Jeder Ort, der Menschlichkeit, Begegnung und Dialog fördert, wird dringend gebraucht.

Auch sängerisch habe ich noch viele Pläne und hoffe, mir einige davon in den nächsten Jahren erfüllen zu können. Ein Debüt im Gewandhaus Leipzig in der nächsten Spielzeit gehört auf jeden Fall dazu – ich freue mich schon sehr darauf! Abgesehen davon möchte ich unbedingt mal eine Japanreise und erneut eine Reise nach Neuseeland machen.

Gibt es noch etwas, das du den Leser:innen mitgeben möchtest?
Ja, sehr gerne: Entgegen dem, was man heutzutage in den Nachrichten liest und was viele Politiker*innen die Menschen glauben lassen wollen, bin ich fest überzeugt, dass die Welt ein guter Ort mit wahnsinnig vielen grosszügigen und tollen Menschen ist. Wir können jeden Tag im Kleinen und Grossen einen Unterschied machen darin, wie wir durchs Leben gehen.

Liebe Valentina, vielen Dank für dieses spannende Interview. Wir wünschen dir alles Gute!

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Privat unterwegs. Bild: Patrycia Pioch-Makurat
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Valentina Stadler (in Violett) in der Rolle der Königin Leda in der Richard-Strauss-Oper «Die Liebe der Danae» am Teatro Carlo Felice in Genua. Bild: zVg
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