ROLAND KOELLA

Das Leben – ein einziges Abenteuer

Es bräuchte wohl eher eine (Netflix-)Serie denn ein Buch, um zu erzählen, was Roland Koella in seinem Leben alles unternommen und erlebt hat. Auch die Liste der Promis, die er einmal oder mehrmals getroffen hat, füllte mehrere Seiten. Viele dieser Begegnungen, die der bald 90-Jährige in seiner Karriere gemacht hat, wären in der heutigen Zeit so kaum mehr denkbar. Seit über siebzig Jahren hält Roland Koella als Kameramann und Fotograf die Welt in Bildern fest. Protokoll eines faszinierenden Besuches an der Wylerringstrasse.

Text: Jean-Claude Galli, Bilder: Roland Koella, zVg
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Hoher Besuch 1988: Bundesrat Adolf Ogi (links) und BEA-Direktor Karl Bürki (rechts) empfangen Prinzessin Anne, Schwester des heutigen britischen Königs Charles III. (Bild: Roland Koella)

Nächsten Februar wird Roland Koella 90 Jahre alt. Auf den ersten Blick schätzt man die Berner Fotografen-Legende aber höchstens auf 70. Vor vier Jahren hat er den Auto- und Motorrad-Führerausweis abgegeben, «freiwillig und von sich aus», wie er betont. «Auf dem rechten Auge sehe ich immer noch gestochen scharf.» Und sein Gesamtbefinden sei gut. «Ich hatte eigentlich das ganze Leben lang Glück mit meiner Gesundheit, ausser einem vierfachen Beinbruch in Davos, der mich sechs Wochen lang ins Spitalbett zwang», sagt der Rastlose.

«Hazy Osterwald und Enzo Ferrari kamen ebenfalls an einem 18. Februar zur Welt. Und ich habe sie beide persönlich gekannt», erzählt er beim Besuch des Anzeigers für das Nordquartier an der Wylerringstrasse, wo er seit nunmehr 14 Jahren mit Ehefrau Monika wohnt. Davor lebte und arbeitete er über 15 Jahre hinweg an der Standstrasse, wo sich heute der Outlawz Store befindet.

Hollymundigen und Osterwood

Der Jazzmusiker Osterwald und der Rennwagenhersteller Ferrari passen gut zu Koellas Biografie, die ebenfalls von Kreativität und hohem Tempo geprägt ist. Und auch sein Lebenslauf würde locker Stoff für einen abendfüllenden Film oder einen Abenteuerroman bieten. Aufgewachsen in Neuenburg und Bern, hätte er gemäss seinem Vater etwas «Rechtes» werden sollen, am liebsten Apotheker. «Ich war aber immer ein visueller Mensch», so Koella. Den «Freigymer» bricht er spontan ab, als er den charismatischen Edgar Schwarz (1917–1982) kennenlernt.

«Schwarz war der Lehrling abgehauen und er überredete mich, in seiner damals noch jungen Firma anzufangen.» Die Schwarz Film AG in Ostermundigen entsteht 1945 und etabliert sich rasch als führendes Schweizer Filmlabor mit wachsender internationaler Ausstrahlung. Zu den Kunden zählen Koryphäen wie der Regisseur Jean-Luc Godard. Dort entstehen aber auch Musikaufnahmen, unter anderem mit besagtem Hazy Osterwald. «Seinetwegen habe auch ich mit dem Trompetenspielen begonnen», sagt Koella. Zuvor begleitet er seinen Vater regelmässig auf der Handorgel an Konzerten im Grossraum Bern. Doch schon bald reicht die Zeit nicht mehr für Hobbys. Zwischen 1953 und 1957 macht Koella bei Schwarz eine Lehre als Filmtechniker. Danach bleibt er noch weitere vier Jahre im Betrieb – auch als Kameramann und Cutter.

«Oft waren wir rund um die Uhr im Einsatz, weil wir so viele Aufträge und einen guten Ruf hatten. Ich wohnte im Haus über den Studios hinter dem damaligen ‹Bären›. Wir nannten das Gebäude wahlweise Hollymundigen oder Osterwood.»

Ein ganz besonderes Haustier namens Gläggi

Koella lernt die nationale und internationale Filmszene rasch von innen kennen und wirkt nebst seiner eigentlichen Tätigkeit bei Schwarz für die Praesens-Film bei der Realisierung von Franz Schnyders Gotthelf-Verfilmungen oder für die Unitas-Film beim ikonischen Werk «SOS – Gletscherpilot» über den Flugpionier Hermann Geiger mit.

Im Auftrag von Schwarz bildet sich Koella auch mehrere Monate in den Bavaria-Studios in München-Geiselgasteig weiter. Im Winter 1968/1969 kommt er unerwartet zu einem besonders aufregenden Einsatz. Für die Filmwochenschau (siehe auch nächster Abschnitt) dokumentiert er die Dreharbeiten zum James-Bond-Film «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» im Berner Oberland. Angesichts seines Könnens und Equipments wird er von der britischen Produktionsfirma gefragt, ob er beim Stockcar-Rennen auf der Eisbahn Lauterbrunnen nicht auch Zusatzmaterial für den Rohschnitt des Bond-Spektakels aufnehmen könne.

Koella ist Kamera-Assistent bei Peter Saas’ preisgekröntem Spanienfilm «Sol y Sombra» von 1958 und Tonmeister bei Charles Zbinden und René Gardi für den Film «Mandara. Zauber der schwarzen Wildnis» von 1959 in Kamerun. Dort rettet er ein Affenbaby aus der Gattung der Grünen Meerkatzen vor dem sicheren Tod und nimmt das Tier, das er angelehnt an den kamerunischen Ausdruck für Affen auf den Namen Gläggi tauft, schliesslich nach Hause mit, weil es ihm so sehr ans Herz gewachsen ist. «Nach 27 Jahren musste Gläggi dann altershalber eingeschläfert werden», sagt Koella etwas wehmütig.

Tante Gertrud und die weite Welt

Von 1960 bis 1961 ist Koella mit dem Neuaufbau des Schweizer Fernsehstudios in Genf und der Inbetriebnahme des dortigen Filmentwicklungslabors beschäftigt, bildet Kameramänner aus und schult das Laborpersonal. 1961 wechselt er als Kameramann zur Schweizer Filmwochenschau, wo er bis 1971 bleibt. Er ist selbstbewusst und initiativ, was seine Vorgesetzten zuweilen auch überfordert.

«Koella war ein Filmschaffender der jüngeren Generation. Er wollte sich nicht hintanstellen und unterlief die hergebrachten Hierarchien und Abläufe», heisst es im Memoriav-Artikel von Oliver Schneider über die Geschichte der Filmwochenschau von 1940 bis 1975.

Die staatlich alimentierten Filmbeiträge laufen jeweils im Vorprogramm der Kinos und verlieren ihre Relevanz erst mit der zunehmenden Dominanz des Fernsehens. Nebst vielen Inland-Aufträgen ist Koella weltweit unterwegs und hält die Arbeit der UNICEF, der Schweizerischen Entwicklungshilfe und des Roten Kreuzes fest, so auch im Sechstagekrieg in Israel 1967. Seine berühmte Tante Gertrud Lutz (1911–1995), die erste Ehefrau des für den Friedensnobelpreis vorgeschlagenen Appenzeller Diplomaten Carl Lutz (1895–1975), unterstützt ihn als UNICEF-Vizedirektorin nach Möglichkeit mit ihren Kontakten.

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Burkhalter-Cup 2016: Michael Luginbühl, Claudio A. Engeloch und Xavier Zuber.
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Lorrainechilbi 2014.
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Elisabeth Zölch und Nicolas Markwalder an der BEA 2006.
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Roland Koella im Winter 2025/2026.
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Die Grüne Meerkatze Gläggi, die von Koella aufgezogen wurde.
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Eine kleine Auswahl von Koellas Presseausweisen.

Besonders genau erinnert sich Koella immer noch an den 12. Oktober 1966. Mit einer vierplätzigen Privatmaschine tschechischen Ursprungs fliegt er zusammen mit dem Solothurner Fabrikanten Robert Mathys und dem Biologie-Studenten Rolf Meier vom beschaulichen Flugplatz Grenchen aus zwei Monate lang durch über 30 afrikanische Staaten. In 50 Distrikt-Spitälern stellt das Schweizer Trio auf seiner 35 000 Kilometer umfassenden Reise moderne chirurgische Instrumente vor und zeigt den dortigen Ärzten Filme über die neusten Operationsmethoden. Koella hält dies alles für die Filmwochenschau fest und realisiert für das Fernsehen zusätzlich zwei Dokfilme über Gesundheit, Ernährung und Hygiene.

Selbst ist der Mann

1971 macht sich Koella als freier Filmschaffender selbstständig. Während dieser Zeit entstehen verschiedene Filmproduktionen für Intersport Schweiz, den Schweizerischen Coiffeurmeisterverband sowie die Maschinenindustrie und das Baugewerbe. Nach sieben Jahren wechselt er 1978 in die Fotobranche und ist Chef der Fotoabteilung bei der Rheintaler Zeitung, dem Thuner Tagblatt, der Berner Zeitung sowie dem Bieler Tagblatt. Über 20 Jahre hinweg begleitet er mit seiner Kamera auch die Geschäfte des Berner Grossrats. Ab 1994 arbeitet er bis in die nahe Gegenwart hinein als selbstständiger Fotograf mit einem eigenen Studio für Pass- und Porträtaufnahmen an bereits erwähnter Adresse an der Standstrasse. Er ist für diverse Verbände, die Privatindustrie und dort insbesondere die Automobilbranche tätig.

Autofahren – siehe Enzo Ferrari – ist eine von Koellas ganz grossen Leidenschaften und Alfa Romeo seine Lieblingsmarke. In seinem in der Tat sehr bewegten Leben fährt er nicht weniger als 28 unterschiedliche Modelle dieser Traditionsfirma. Koella ist auch ein viel gebuchter Event- und Messe-Fotograf. So ist er während 23 Jahren offizieller Fotograf der BEA bern expo (heute Bernexpo).

Die Prinzessin und viele Perlen

Vor zwei Jahren veröffentlicht der Anzeiger für das Nordquartier ein BEA-Special mit mehreren Fotos von Koella, darunter auch dasjenige vom Besuch von Prinzessin Anne. Die Pferdenärrin und Schwester von König Charles III. besucht die Berner Frühjahrsmesse 1988. Ab 2008 figuriert Koella als regelmässiger Mitarbeiter im Impressum des Nordquartier-Anzeigers. Als langjähriger Quartierbewohner und professioneller Betrachter seiner Umgebung ergibt sich diese Chronistentätigkeit eigentlich wie von selber – vom Wylerin die Welt hinaus und wieder zurück.

«Die ersten Bilder entstehen schon beim Erwachen. Und das wirklich Grosse entdeckt man oftmals erst im Kleinen», meint der Weitgereiste dazu. Die in dieser Zeitungsausgabe abgebildeten Aufnahmen sind eine lose Momentaufnahme von Koellas Schaffen der jüngeren Vergangenheit aus den Jahren 2006 bis 2017. Eine repräsentative Übersicht würde die Grenzen dieses Mediums sprengen. Der Umfang, die Vielfalt und der Wert von Koellas Archiv – in Farbe und Schwarz-Weiss – sind enorm und hätten im Ganzen eine bleibende Form und angemessene Würdigung verdient.

Die Sujets in dieser AfdN-Ausgabe dokumentieren Ereignisse mit überregionaler Ausstrahlungskraft, aber auch beiläufige Alltagsszenen und zeigen zudem Koellas Gespür für zukünftige Entwicklungen. So hält er 2010 im WankdorfCenter die damals noch wenig bekannte Popband Pegasus bei einem Konzert im kleinen Rahmen fest. Seine hier gezeigten Fotos belegen auch die rasche Vergänglichkeit inklusive Mode und Trends. Und beweisen, dass Bekanntheit oft bald wieder Schall und Rauch ist. Erstaunlich und wohltuend zugleich.

Je später der Abend …

Der Autor dieser Zeilen lernt Koella an der SRF-Gala «Swiss Sports Awards» 2005 näher kennen, als diese noch in den heutigen Bernexpo-Hallen und nicht in Zürich stattfindet. Es ist der Abend, als überraschend der junge Berner Motorrad-Weltmeister Tom Lüthi gegen Tennis-Star Roger Federer im Kampf um die Krone als Sportler des Jahres gewinnt. Auch dies hält Koella natürlich fest und als Töff-Fan freut ihn Lüthis Triumph umso mehr. Doch seine Erzählungen davor und danach an der Pressebar sind mindestens ebenso spannend und aufregend und dauern bis in die frühen Morgenstunden. Ein Treffen mit Roland Koella beinhaltet stets eine Garantie für beste Unterhaltung.

Und im Unterschied zu den Gebrüdern Hauff – die im Märchen «Der Affe als Mensch» übrigens einem Orang-Utan ein Denkmal setzen – und den Brüdern Grimm hat Koella seine Geschichten nicht erfunden. Sie sind wahr und er hat sie alle miterlebt.

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SRF-Wetterfee Sandra Boner und Plüsch-Sänger Ritschi beim «Öpfu und Härdöpfu Märit» 2017.
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Der damalige Nationalrat Albert Rösti 2017 als Juror am «Öpfu und Härdöpfu Märit».
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Die Band Pegasus 2010 im Wankdorf Center, von links: Noah Veraguth, Stefan Brønner, Gabriel Spahni, Simon Spahr.
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Kinderfasnacht 2012.
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Kiosk im Breitenrain 2015.
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SCB-Legenden Jürg Jäggi und René «Gagu» Kiener mit ihren Goalie-Masken 2009.
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«Ustrinkete» am Stammtisch im «Spitz» an der Moserstrasse 2015. Heute heisst das Lokal «Del Gusto».
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Burkhalter-Cup 2016, FC Breitenrain gegen YB.
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Festakt 125 Jahre Leist Bern Nord 2016.
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