«BIVO» BAR UND BISTRO

Zeit, Raum und Ort für tagumspannenden Genuss

Seit knapp einem Jahr lockt vis-à-vis der Kasernenwiese ein erfrischendes Angebot aus leichtem Mittagstisch nach asiatischer Art und ausufernder Apérostunde «bis in die Puppen».

Jean-Claude Galli
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Ausblick Richtung Kaserne. Bilder: jc

Sie kennen wohl den Kalauer «Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit». Ob das derzeit vielbeschworene Beizensterben wirklich existiert, ist zweifelhaft. Wenn ein GaultMillau-punktiertes Lokal dichtmacht, generiert dies zwar Schlagzeilen, doch sind solche Schliessungen oft nicht Teil eines Trends, sondern meist plakative Einzelfälle. Und Missverständnisse samt folgendem Konkurs kommen gerade in der Gastronomie häufig vor – in Sternenhäusern wie Stehimbissen. Diesbezüglich kennen Sie vermutlich auch den zweiten Kalauer «Wer nichts wird, wird Wirt». Dass sich Gästeansprüche ändern, ist unbestritten. Das haben sie aber immer getan, seit es Menschen und Häuser gibt, in denen sie zusammen essen und trinken, weil dies gemeinsam offenbar mehr Spass macht. Nur ist es heute halt um ein Vielfaches leichter, lokale bis globale Angebote und Bedürfnisse zu vergleichen. Qualität setzt sich übrigens fast immer durch.

Das «Bivo» an der Ecke Herzog-/Beundenfeldstrasse ist eine passende Antwort auf aktuelle Kundenwünsche. Bevor Daniel Kehrli und Filipe Lopes Cruz im Mai 2025 eröffnet haben, befand sich an dieser Adresse ein Lokal mit Fokus auf Portugal und grossen Durst. Das jetzige Konzept ist vielleicht nicht auf Anhieb stringent, weil es scheinbar unterschiedliche Kulturen zueinanderrückt. Doch wird damit keine Fusion angestrebt, sondern eine wertvolle und spätestens auf den zweiten Blick sinnvolle Ergänzung zweier Welten: Ramen am Mittag, Bar am Abend. Will heissen: federleichter Japan-Genuss ab halb zwölf, Apéro-Time mit Biss ab 16 Uhr bis spät.

Schmatzen und Schlürfen erlaubt

Dem asiatischen Raum aus emotionalen Gründen besonders zugetan, werfen wir hier einen genaueren Blick auf das zurzeit verfügbare Mittagsangebot. Ramen umfasst einen ganzen Nudelgerichts-Kosmos und gehört zu den beliebtesten Fastfood-Angeboten in Japan, wobei die Chinesen die Erfindung hartnäckig für sich reklamieren. Gewöhnungsbedürftig für Westeuropäer und namentlich Schweizer – Frauen immer mitgemeint – ist insbesondere in diesem Fall: Sie dürfen ruhig schlürfen und schmatzen – jedenfalls, wenn es ihnen mundet. Auf der zurzeit verfügbaren Karte figurieren drei Angebote, Buta Miso Ramen mit in Sojasauce gekochter Schweinebrust, Yaki Tofu Ramen und Tantanmen Tofu Ramen.

Kommt Tofu ins Spiel, gähnen manche Leute ostentativ. Wenn Tofu langweilig schmeckt, liegt dies jedoch meist an fehlender Fantasie bei der Zubereitung oder eigenem Nichtgefallen. Deshalb grosses Kino und Augen auf: Yaki Tofu Ramen beinhaltet in Sojasauce eingelegte und gebratene Tofuwürfel in einer würzigen Misobrühe mit Spinat, Mungbohnen-Sprossen, Ei und Frühlingszwiebeln. Als Geburtsstätte von Miso-Ramen gilt die Präfektur Hokkaido mit der Hauptstadt Sapporo. Tantanmen Ramen hingegen besteht aus gebackenem und gebratenem Tofuhack in einer cremigen Soja-Sesam-Brühe mit Pak Choi, Mais, Ei und Frühlingszwiebeln und ist wesentlich pikanter im Vergleich zum erstgenannten Tofu-Gericht. Der Name Tantanmen korrespondiert mit dem chinesischen Klassiker «DanDanMien» aus der Provinz Szechuan.

Die Erde ist keine Scheibe

Wir möchten uns hier gar nicht erst im Ansatz auf Herkunftsdiskussionen aller Art einlassen, sondern Ihnen einfach raten, die Erde im Zweifelsfall als rund und allen gehörend zu betrachten, bei gutem Wetter draussen Platz zu nehmen und nebst dem Essen ebenso Getränke zu bestellen. Denn der Name «Bivo» kommt auch nicht von ungefähr. Unsere Empfehlung zum Ramen-Mittag: Seicha Matcha Grapefruit, leicht säuerlich und fruchtig, etwas ungewöhnlich für unser Geschmacksempfinden und sehr erfrischend. Wasser geht natürlich immer auch.

Auf der Abendkarte gibt es ein umfangreiches und reizvolles Angebot an Aperitifs, Cocktails, Negronis, Highballs, Mules und Sours. Hinzu kommen Offenweine, Prosecco und Bier, offen fliesst Felsenau, in Flaschen die örtliche Braukunst-Palette von Pils bis IPA. Und wenn Sie danach der Hunger packt, empfehlen wir Ihnen das Bivo-Sandwich mit Coppa, Raclettekäse und Nüsslersalat oder «Chäs, Brot u Hummus» mit Oliven und Feigensenf.

Fahnengruss

Schauen wir von der «Bivo»-Terrasse auf die andere Strassenseite und nach links und nach rechts, geraten wir automatisch ins Sinnieren. Die Dichte an Gastlokalen rund um die Kaserne war und ist immer noch bemerkenswert hoch. Das ist natürlich kein Zufall. Um eine Truppe bei Laune zu halten, sind Kurzweil und Stimulanzien immer wichtig. Brot und Spiele. Und auch wenn der Betrieb in der Kaserne Bern massiv zurückgegangen ist, hält sich die Gastromeile rund um die vordere Kasernenwiese wacker. Einstellungen und Verwandlungen – siehe das legendäre «Dufour» und den ähnlich sagenumwobenen «Jardin» – stets inbegriffen. Die Zeit fliesst. Hallo «Bivo»!

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Bivo-Infoschild.
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Tofu Yaki Ramen.
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Seicha Matcha.
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Tofu Tantanmen Ramen.

INFOS

Küche: Vom Asahi-dake bis zum Guggershörnli
Service: Breitsch und nicht Berlin
Ambiente: Mixed Pickles
Preise: Mittel
Adresse: Herzogstrasse 2, 3014 Bern, Telefon 031 525 55 30
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag jeweils von 11.30 bis 14 Uhr und von 16 bis 24 Uhr, Samstag 10 bis 24 Uhr, Sonntag 10 bis 22 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen


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