«Schutte ist ganz mein Ding»
Ja, er ist mit Leib und Seele Sportler. Das wird während des Gesprächs bald klar. Goalie ist er, leidenschaftlicher Schütteler beim FC Breitenrain und im Breitsch zu Hause. Doch soll er selber erzählen.
Ich wurde am 10. April 2010 in Riggisberg geboren. Wir wohnten damals schon im Breitsch. Es gefällt mir sehr hier, es ist ruhig, angenehm, als Kind hast du viele Freizeitmöglichkeiten. Wenn man älter wird, ist es etwas gar ruhig, aber als Teenager kannst du ja auch in die Stadt oder bist in andern Quartieren unterwegs. Aber bis so vierzehnjährig hast du im Breitsch viele Möglichkeiten: Fussball, Kampfsport, Handball. Ich habe mit geschätzt sechs Jahren mit Fussball angefangen beim FC Breitenrain, jetzt bin ich bei den C-Junioren. Aktuell sind wir in der Vorbereitung für die Rückrunde.
Schutte ist mein Ding. Ich möchte schon dabeibleiben, wenn es sich ergibt. Profi werden oder, wenn das nicht geht, lange beim FC Breitenrain bleiben. Ich habe als Stürmer angefangen, habe alle Funktionen durchlaufen und wurde Goalie, als der ehemalige aufhörte. Vor etwa zehn Jahren. Ich trainiere drei- bis viermal, selten fünfmal pro Woche und einmal gibt es einen Match. Mit etwa zehn Vereinen bilden wir kantonsweit eine Liga. In der Saison gibt es jeweils Vorrunden und Rückrunden, einmal gehen wir zum Gegner und einmal kommt er zu uns. Im Winter gibt es eine Pause bis etwa im April. Es gibt auch Frauenteams, von klein bis gross. Manchmal haben wir Testspiele gegen Frauenteams, aber eigentlich haben sie eigene Ligen.
Ursprünglich wohnte ich an der Radarstrasse. Dann haben sich meine Eltern getrennt, Vater blieb an der Radarstrasse, Mutter zog an die Schönburgstrasse. Und vor ein paar Jahren zügelten wir dann an die Humboldtstrasse, hier gefällt es mir sehr. Ich habe keine Geschwister.
An die Kindheit erinnere ich mich nicht gross. Wohl aber an die Kitalager, die waren cool, wir verbrachten drei, vier Tage auf einem Bauernhof. Spazieren gehen, beim Haus spielen, den Hof anschauen, Eier greifen und beim Kühemelken zuschauen. Ich ging gern in die Kita, zuerst in die Kita Bizius, nachher ins Spatzenäscht. Mit den Freunden und Freundinnen spielen, es war cool. Dann kam ich in die erste Klasse, im Spitalacker. In der dritten Klasse hatte unser Lehrer ein Burnout. Im Nachhinein merkten wir die vielen Lehrpersonenwechsel so richtig, wir haben viel verpasst. Ja, die Grundschule war ein wenig wie die Kita. Mit den Kollegen und Kolleginnen zusammen sein. Das Lernen selber war nicht so zentral. Zwischen der sechsten und der siebten Klasse kam dann der Übertritt in die Sek. Es gab die drei Hauptfächer Franz., Deutsch und Math. In denen solltest du im Schnitt einen Fünfer haben, damit du dreifachsek wurdest. Sonst warst du zweifachsek und in einem Fach real. Oder einfachsek. Oder real. Wir hatten Grundanforderungstests und konnten erweiterte Anforderungstests machen und alle halben Jahre gab es eine Beurteilung mit dem Lehrer, ein Standortgespräch.
Ich war ursprünglich zweifachsek, aber nach dem ersten Jahr stieg ich auch im Deutsch auf. Ich habe eine Rechtschreibschwäche. Deshalb habe ich Deutsch gar nicht gern. Ich liess das mal abklären, aber momentan ist es kein Problem mehr.
In der achten Klasse kam der Entscheid für die, die in den Gymer wollten. Du bekommst eine Beurteilung. Eventuell wirst du empfohlen, dann kannst du prüfungsfrei in den Gymer wechseln. Sonst musst du eine Prüfung machen. Es gibt eine Mitmachbeurteilung, eine in den drei Hauptfächern und auch in den andern wie NMG (Natur Mensch Gesellschaft).
Das erste Halbjahr der Achten war also Testphase, viele Kollegen und Kolleginnen sind dann ab der Neunten in den Gymer. Von über zwanzig blieben nur sieben in der Klasse. Das war schon schade, aber sie haben eben ihren Weg gemacht, es war halt so und wir haben ja immer noch Kontakt. Ich hatte mich angemeldet für die Beurteilung, aber ich strengte mich nicht besonders an. Wenns längt, längts und sonst ist es nicht so schlimm.
Im ersten Halbjahr der Neunten gab es wieder eine Beurteilungsrunde. Es gibt ja auch die andern Mittelschulen. WMB / WMS, Wirtschaftsmittelschulen. Und die Fachmittelschule für eher Soziales. Ich musste mich entscheiden, verpennte den Start ein wenig und meldete mich mal für alles an, ich hatte nicht so einen Plan. Auf den Gymer hatte ich nicht so Lust, auf das Soziale auch nicht so. Dann entschied ich mich für die WMS und bestand die Aufnahmeprüfung. Ursprünglich hatte ich an eine Zeichnerlehre gedacht, ich schnupperte auch als Schreiner an der Technischen Fachschule, nahm an einem Ausscheidungsverfahren teil, aber handwerklich möchte ich längerfristig nicht arbeiten. Ich hatte eine Lehrstelle als Schreiner fast auf sicher. Aber ich setzte dann alles auf die Prüfung. Und es klappte.
Jetzt bin ich ein halbes Jahr in der WMS. Es gibt dort eine Promotionsphase, im ersten halben Jahr musst du dich bewähren. Es ist gut gegangen. Und es gefällt mir. Es ist noch Schule, das stinkt mir manchmal schon ein bisschen. Aber wir haben ein paar neue Fächer, die mich sehr interessieren. Wirtschaft und Recht, Finanz- und Rechnungswesen. Das passt mir. Informatik ist auch anders, alles ist jetzt viel mehr berufsorientiert. Franz., Math., all die Sachen. Die Schule dauert drei Jahre, dann kommt ein Jahr Praktikum. In einem Büro, wo, ist noch unklar. Am Schluss hätte ich das KV EFZ und die Berufsmaturität. Im Moment dünkt mich schon, ich hätte Lust zu studieren, aber das ändert vielleicht noch. Die Schule ist im Wankdorf, auch grad in der Nähe.
Meine Grossmutter ist im Oberhasli aufgewachsen, das Hüsli gibt es noch, wir sind ab und zu dort zum Skifahren. Ich fahre sehr gerne Ski und im Sommer gingen wir oft wandern. Die Altjahrswoche im Hasli und der Ubersitz, früher fand ich es ein bisschen gruslig, jetzt finde ich es lustig, festmässig. Das Trycheln ist eindrücklich zum Zuhören, aber ich mache nicht mit. Vaterseits habe ich Wurzeln in Togo. Vor ein paar Jahren war ich dort, besuchte die dortige Familie und schaute alles an. Es war spannend. Ich könnte mir schon vorstellen, mal eine Zeit lang dort zu leben, aber ich wüsste fast nicht wie. Doch eigentlich könnte ich es mir schon vorstellen. Aber ich kann die Sprache nicht. Mit einem Onkel, der in Frankreich lebt, habe ich regelmässigen Kontakt.
Stadt-Land. Mir gefällt es schon sehr in der Stadt, auf dem Land ist es ruhiger, aber dort zu leben – das seh ich noch grad nicht. Ich wäre wohl zu faul, um auf dem Land zu leben. So weite Wege zum Einkaufen. In der Stadt ist alles nahe beisammen, auch die Einkaufsmöglichkeiten, man ist connected mit Leuten aus den andern Quartieren, wenns gut kommt sind wir viele, die zusammen draussen und unterwegs sind. Auf dem Land ist alles viel kleiner und ruhiger.
In der Freizeit treffen wir einander manchmal bei jemandem zu Hause oder draussen.
Ein Traum? Ein gutes Leben ohne grössere Probleme haben. Weit reisen gehen und unabhängig sein.
Aufgezeichnet von Katrin Bärtschi.