Von der Nacht ins Licht – Ostern feiern
Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Ostern denken? Welches Bild, welche Klänge, Gerüche, Empfindungen tauchen bei Ihnen auf? Das Osterfest scheint weniger sinnlich zu sein als Weihnachten – doch stimmt das?
Für mich beginnt Ostern am frühen Morgen. Ich mache mich auf den Weg, wenn es draussen noch kalt, dunkel und still ist. Im Hof der Marienkirche treffe ich auf Menschen, die aus allen Himmelsrichtungen zusammenkommen. Erwachsene und Kinder sind dabei. Sie reden gedämpft und versammeln sich um ein grosses Feuer, gespannt auf das, was sie erwartet.
Um 5.45 Uhr beginnt der Gottesdienst: Am Feuer werden die grossen Osterkerzen unserer Gemeinden entzündet. Wir singen ein Lied, in dem wir für das Licht danken. Alle begeben sich in die Kirche. Zuerst ist es noch stockdunkel, doch dann werden die Osterkerzen hereingetragen und ihr Licht verteilt. Jeder und jede zündet eine kleine Kerze an und gibt das Licht weiter. Und plötzlich stehen wir mitten in einem grossen Lichtermeer.
Im Schein der Kerzen hören wir Geschichten aus der Bibel, die von Befreiung erzählen, und singen Lieder der Hoffnung. Ich erlebe mich als Teil einer grossen Erzähl- und Glaubensgemeinschaft, die über die in der Marienkirche Versammelten hinausgeht. Zu den klanglichen Höhepunkten dieser nächtlichen Feier gehören für mich das «Osterlob», ein altehrwürdiger, hymnischer Gesang, und das Osterhalleluja, begleitet von mächtigen Orgelklängen.
Nun wird das Wasser im Taufbecken gesegnet und wir zeichnen uns gegenseitig ein Kreuz auf die Hand oder die Stirn als Zeichen dafür, dass wir Kinder Gottes sind. Schliesslich feiern wir Tischgemeinschaft: Wir teilen miteinander das geweihte Brot, das uns mit Jesus Christus und untereinander verbindet.
Gegen Ende des Gottesdienstes sehen wir durch die Kirchenfenster, wie der Tag erwacht. Im Dunkel der Nacht haben wir begonnen und in den Morgen hinein die Osterbotschaft gefeiert: Jesus lebt, er ist vom Tod auferstanden! Mit ihm sind wir symbolisch den Weg gegangen von der Nacht des Todes zum Licht eines neuen Lebens.
Das Hören, Schauen, Singen und Beten hat hungrig gemacht. Jetzt freue ich mich auf ein feines Oster-Zmorge. Beim «Eiertütschen» wünschen wir einander gesegnete Ostern. Die Kinder, die tapfer mit den Grossen mitgefeiert haben, können sich jetzt austoben und sich im Pfarrhof und im Pfarrgarten auf die Suche nach den «Osternäschtli» machen.
Jahr für Jahr feiern wir – die kirchen bern nord – diesen sinnenfrohen ökumenischen Gottesdienst am frühen Morgen des Ostersonntags. Schön, wenn auch Sie dabei sind!