KINDERERLEBNISTAGE

Drei Tage Gemeinschaft, Spiel und Bühne

In den Frühlingsferien herrscht in der Kirchgemeinde Bern Nord ein buntes Treiben. Jüngere Kinder treffen sich zu den Kindererlebnistagen, während ältere Kinder und Jugendliche auf der Bühne des Improtheaters ihre Spontaneität ausleben. Die beiden Angebote zeigen, wie kirchliche Arbeit heute aussieht: offen, sozial und kreativ.

Karin Meier
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Kreativität gehört bei den Kindererlebnistagen mit dazu. Bild: Sonja Gerber

Kleine Gladiatorinnen und Gladiatoren stürmen durch das Kirchgemeindehaus, die Kartonschwerter fest in der Hand. Zwischen Gelächter und Rufen üben sie Kampftechniken, streiten sich, wer zuerst angreifen darf, und stürmen erneut los, um den nächsten imaginären Sieg zu erringen. Solche Szenen dürften Mitte April im Kirchgemeindehaus Johannes Realität werden: Dann treffen sich Kinder vom zweiten Kindergartenjahr bis zur fünften Klasse zu den Kindererlebnistagen, die im Nordquartier längst zur Institution geworden sind. Das diesjährige Motto ist sofort zu erkennen: Alea iacta est (die Würfel sind gefallen). Oder anders gesagt: Die Römer – und Römerinnen – sind da.

Mit Lagerstimmung ins Abenteuer

Die jungen Kinder üben sich nicht nur in Gladiatorenkämpfen, sondern basteln auch römische Kostüme und spielen Würfel. Die Kirchgemeinde stellt Material und Organisation bereit, während Jugendliche, die früher selbst zu den Teilnehmenden zählten, die einzelnen Workshops leiten. Erwachsene kümmern sich um Verpflegung und Betreuung. Ein Highlight ist der traditionelle Ausflug am Mittwochnachmittag: Dieses Jahr führt er zu römischen Spuren in der Region, wo Geschichte mit ein wenig Fantasie wieder lebendig wird.

«Die Kindererlebnistage zeichnen sich vor allem durch ihre Lagerstimmung aus», sagt Pfarrerin Sonja Gerber, die das Angebot mitleitet. «Im gemeinsamen Spielen, Singen und Essen erfahren die Kinder ein Gefühl von Willkommensein und erleben sich als Teil einer Gemeinschaft.» Ein weiterer Pluspunkt sind die altersgemischten Gruppen: «Die älteren Kinder übernehmen Verantwortung, indem sie Spiele oder Bastelarbeiten anleiten, während die Jüngeren beeindruckt zuschauen und sich freuen, dass die Älteren sich mit ihnen beschäftigen. Diese Dynamik wirkt fast wie eine Geschwisterbeziehung», sagt Sonja Gerber. Ein wichtiger Aspekt in einer Welt, in der alles teurer wird, ist der Preis: Mit 30 Franken für drei Tage sind die Kosten bewusst tief gehalten, damit alle, die wollen, an den Kindererlebnistagen teilnehmen können.

Bühne frei für die Älteren

Kinder und Jugendliche von der sechsten bis zur neunten Klasse üben sich derweil in Räumen im improvisierten Theaterspiel, dem so genannten Improtheater. Seinen Namen verdankt es den improvisierten kleinen Szenen, die mit Einbezug des Publikums entstehen. «Die Zuschauenden geben zum Beispiel den Ort vor, an dem sich eine Szene abspielt, oder die Personen, die dargestellt werden sollen», erklärt die Theaterschaffende Debo Wyss. «So erbringen wir den Beweis, dass wir tatsächlich improvisieren und keine eingeübten Szenen zeigen.» Zusammen mit einer Kollegin und einem Assistenten leitet sie den dreitägigen Workshop.

Angesprochen sind alle, die Lust auf Theatermachen haben. «Vorkenntnisse sind keine nötig, und man muss auch nicht perfekt Deutsch sprechen, um Freude am Mitmachen zu haben», betont Debo Wyss. Vielmehr geht es um die Lust, Neues auszuprobieren und sich in einer Gruppe zu erleben. «Beim Improtheater muss man auf die anderen hören und schauen und sein Spiel auf sie abstimmen», sagt sie. Die Theaterform erlaubt eine breite thematische Palette – von lustig über poetisch bis ernst oder politisch. «Wer mitmacht, wächst über die drei Tage als Gruppe zusammen, gewinnt Sicherheit und erlebt, dass Scheitern ein Teil des Lernens sein kann. Denn es passiert allen einmal, dass ihnen plötzlich nichts mehr einfällt oder die Szene unrealistisch wird.» Schüchternen Personen, die sich nicht ganz getrauen, mitzumachen, rät Debo Wyss ein «Gschpändli» mitzubringen, das Sicherheit vermittelt. Höhepunkt des Workshops ist die Aufführung am Nachmittag des letzten Tages, zu dem die Teilnehmenden der Kindererlebnistage sowie alle Eltern eingeladen sind.

Offenheit und Vielfalt

Die Kindererlebnistage und das Improtheater stehen Kindern aller Religionen und Nationen offen. Seit letztem Jahr laufen die Angebote parallel, sodass die Jüngeren schon früh die Theaterschaffenden und deren Arbeit erleben. So wird ihnen der Wechsel auf die Bühne leichterfallen, wenn sie alt genug sind.

Die beiden Angebote zeigen, wie kirchliche Arbeit heute wirken kann, sagt Sonja Gerber: «Die Kirche entwickelt sich immer mehr zu einer Gastgeberin, die Begegnungen ermöglicht: Bei uns trifft man auf interessante Leute und die Kinder haben Spass.»

 


INFOS

Frühlingsferien im Nordquartier
Dienstag, 14. bis Donnerstag, 16. April
kirchen-nordquartier-bern.ch

Kindererlebnistage

Alle Kinder vom 2. Kindergarten bis zur 5. Klasse sind herzlich willkommen. Die Teilnahme ist an allen oder einzelnen Tagen möglich. Kosten inkl. Verpflegung: 30 Franken pro Kind.
Anmeldung und Infos:

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Improtheater

Alle Jugendlichen ab der 6. Klasse sind herzlich eingeladen. Keine Theatererfahrung nötig. Kosten inkl. Verpflegung: 10 Franken pro Tag.
Anmeldungen und Infos:

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Einmal auf der Bühne stehen und seiner Fantasie freien Lauf lassen: Das ermöglicht das Improtheater. Bild: Sonja Gerber
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