Corinnas Quartier Talk mit Esther Hasler
Esther Hasler ist nichts für Schenkelklopfer. Sie liebt das Kratzen der Kurve im gebogenen Raum, brilliert mit ihrem 7. Stück und fliegt für den Frieden über den Röstigraben und um die ganze Welt. Ein funkelndes Feuerwerk voller Pianopoesie und eine Hommage an das Leben, die Liebe und die Freiheit.
Esther Hasler trat im Januar mit «7 auf einen Streich» in der La Cappella auf, weshalb ich ihr gerne ein paar Fragen stelle:
Du sagst, du liebst es, in der La Cappella aufzutreten. Was macht die Stimmung dort ganz besonders?
Christoph Hoigné hat einen wunderbaren Kulturort geschaffen. Ich durfte von Anfang an jedes meiner Programme mehrfach auf dieser tollen Bühne spielen. Steinway-Flügel, schöne Lichtstimmungen – da fühle ich mich zu Hause.
Die Leute sind nah. Mein Cappella-Publikum ist treu, herzlich, offen und ich freue mich immer sehr, dass auch zwischen den Zeilen so viel gehört wird.
Als ich hier vor 20 Jahren mit meinem ersten Soloprogramm die Premiere von «Küss den Frosch!» feierte, sass ein Frosch vor dem Fenster der Künstlergarderobe. Bei der Wiederaufnahme war er wieder da! In «7 auf einen Streich!» verfolgt mich eine Fliege …
Wie waren die Reaktionen auf dein aktuelles Programm?
Ich habe viele begeisterte Rückmeldungen erhalten. Bemerkt wurde die stete Weiterentwicklung meiner Figuren und Chansons. Super kommt auch eine Handpuppe an, die ich erstmals dabeihabe. Sehr schöne Feedbacks erhalte ich auch zu meinen immer grösser werdenden stimmlichen Möglichkeiten.
Knüpfst du nach deinen Auftritten jeweils Kontakte mit dem Publikum?
Ja, ich bin immer gern an der Theaterbar. Sofern ich den Weg dorthin überhaupt schaffe. Meistens lauern bereits Gäste am Bühnenrand …
Wann hast du mit dem Klavierspielen angefangen? Und was hat dich daran gereizt?
Bei uns zu Hause stand ein Klavier. Ich erinnere mich, schon Geschichten gespielt und Bilderbücher vertont zu haben, lange bevor ich lesen konnte.
Du hast auch einige Jahre im Ausland gelebt und bist jetzt im Raum Bern zu Hause. Was hat dich im Ausland beflügelt?
Während der eineinhalb Jahre in Irland und Schottland war es die Natur, das Meer und die Musik. Das halbe Jahr in Berlin war fantastisch, Sprache und Kultur waren für mich Inspiration pur. In meinem halbjährigen New Yorker Sabbatical das pralle bunte Leben, es fühlte sich leicht und anregend an.
Erinnerst du dich da an eine besonders schöne Geschichte?
In New York besuchte ich einen fantastischen Tanz-Workshop bei Anna Halprin. Sie war 91 Jahre alt und leitete über 100 Leute durch den Tag!
Und gibt es aus einem deiner Auftritte etwas Schönes zu erzählen, das dir in besonderer Erinnerung geblieben ist?
Ein 11-jähriger Junge bat mich um ein Autogramm. Er spiele Klavier und wolle später auch so in Theatern auftreten. Seine Mutter erzählte, dass er schon mehrere meiner Programme besucht habe.
Du feierst dieses Jahr dein 20-Jahr-Bühnenjubiläum. Was treibt dich immer wieder an und gibt es auch die Momente, wo du dir die Frage stellst, wie lange du noch auf der Bühne stehen wirst?
Ich lebe intensiv und liebe meine Arbeit, deshalb setze ich mir keine Grenzen. Ich mache, worauf ich Lust habe. Vor ein paar Jahren besuchte ich eines der letzten Konzerte von Anne Sylvestre. Sie war 85 Jahre alt und ihr Auftritt hat mich umgehauen. Lebenskraft pur! Das gibt Mut.
Bist du auch ab und zu im Nordquartier unterwegs und falls ja, wo besonders gerne?
Ich bin oft und gerne hier, bei Freunden oder in einem der gemütlichen Quartier-Beizli. Ausserdem besuche ich Osteopathie und habe eine super Zahnärztin im Breitsch. Gerne gehe ich zum Schuhmacher Simon Jakob, der einmal kurzerhand meine Bühnenflitzer reparierte, als kurz vor einem Auftritt im La Cappella die Sohle zu gähnen anfing. Seit Jahren bringe ich meine Schuhe. Sie sehen danach wie neu aus!
Früher fand ich Trouvaillen im Bärner Brocki, heute bringe ich, was wir nicht mehr brauchen. Im Sommer lasse ich mich sehr gerne in der Aare treiben. Beim Altenberg und in der Lorraine ist das Tempo genau richtig für mich.
Und zu guter Letzt: Welche Frage wurde dir noch nie gestellt und wie wäre deine Antwort hierauf?
Führen Engagements auch zu neuen Überraschungen?
Ich wurde kürzlich für eine grosse Tagung angefragt: Für ein Spezialprogramm und für Workshops. Ich gab eine Stimmweiterbildung zu Ton-Tonus und Präsenz. Es war absolut beglückend, denn ich kann aus jahrelanger Erfahrung schöpfen. Vor Ort kamen bereits weitere neue Anfragen dazu. So bereite ich im Moment körperzentrierte Stimm-Seminare vor, auf die ich mich sehr freue!
Danke liebe Esther, für deine Zeit und deine Antworten!
PERSÖNLICHE ANGABEN
Esther Hasler ist Liechtensteinerin/Schweizerin und in Basel und Bolligen aufgewachsen. Später besuchte sie u.a. die Jazzschule Bern.
Über 20 Jahre wohnte sie in der Länggasse und konnte da jeweils auf den Estrich durch eine kleine Dachluke den Himmel und die Berge erspähen.
Lange suchten sie in der Stadt vergeblich bezahlbaren Wohnraum für ihre Familie, ein Klavier und drei Kontrabässe. Heute wohnt Esther mit Familie im Grünen mit freiem Blick auf die Berge und arbeitet in der Berner Altstadt in einem Atelier mit Konzertflügel an ihren Programmen. Esthers Mann ist Historiker und als Bassist mit spannenden Projekten ebenfalls künstlerisch unterwegs. Esther liest gerne, besucht Theater und Konzerte, erholt sich in der Natur und in der frischen Bergluft. Velofahren mit Rückenwind ist für sie wie fliegen.
Nächste Auftritte im Kanton Bern
Fr 13. März Kreuz Nidau
Sa 14. März Kellertheater Langnau
Fr 16. Oktober Kellertheater Lindenhof Büren an der Aare
(weitere folgen)
Aktuelle Daten und Infos: