Ein Mix zwischen Spiritualität und Berufsalltag
Zum zweiten Mal lädt Pfarrerin Mirjam Wey in der Fastenzeit zu einer begleiteten Fastenwoche ein. Das Angebot verbindet körperlichen Verzicht mit spiritueller Vertiefung und gemeinschaftlichem Austausch. Dank kompakter Einheiten können auch berufstätige Menschen teilnehmen.
Als Pfarrerin Mirjam Wey von der Kirchgemeinde Bern-Nord die Fastenwoche vor einem Jahr erstmals leitete, bedeutete dies für sie einen Perspektivenwechsel. Zuvor hatte sie selbst an begleiteten Fastenwochen teilgenommen, nun trug sie gemeinsam mit der Co-Leiterin und ärztlich geprüften Fastenleiterin Dorothea Loosli-Amstutz die Mitverantwortung für eine Gruppe. Ihr Fazit fällt positiv aus: «Die Form mit einem freiwilligen Beisammensein bei einem Tee und einem 60-minütigen Dreitakt aus Austausch, Bewegungseinheit und Meditation kam gut an.» Gerade die zeitliche Kürze der abendlichen Zusammenkünfte habe es auch berufstätigen Menschen ermöglicht, an der Fastenwoche teilzunehmen. Aus diesem Grund bieten sie und Dorothea Loosli-Amstutz die Fastenwoche 2026 nahezu unverändert an. Lediglich die inhaltliche Grundlage der Meditationen wechselt.
Offen für viele Formen des Verzichts
An der ersten Durchführung nahmen zwölf Personen teil, mit einer Ausnahme alles Frauen. Die Altersspanne reichte von 46 bis 80 Jahren. Ebenso unterschiedlich wie das Alter war die Kirchenverbundenheit der Teilnehmenden. «Es haben Menschen gefastet, die regelmässig unsere Gottesdienste besuchen, und solche, die erstmals ein Angebot von uns genutzt haben», sagt Mirjam Wey. Vielfältig war auch die Art des Fastens. Möglich sind ein Vollfasten, ein Basenfasten mit geringer Nahrungsaufnahme oder ein Verzichtfasten, bei dem etwa Alkohol, Süssigkeiten oder soziale Medien ausgelassen werden. «Die Teilnehmenden wählen die Form aus, die am besten zu ihnen passt», so Mirjam Wey.
Die Fastenarten werden am obligatorischen Infoabend detailliert vorgestellt, danach können sich Interessierte anmelden. Angaben zu Grösse, Gewicht, Motivation sowie eine Gesundheitserklärung gehören dazu. Mirjam Wey und Dorothea Loosli-Amstutz prüfen jede Anmeldung sorgfältig. «Falls wir Zweifel haben, ob Fasten für eine Person aktuell passt, haken wir nach», sagt Mirjam Wey.Denn beim Fasten gehe es nicht um eine Diät bzw. eine Gewichtsabnahme, betont sie: «Fasten ist ein tiefer Prozess, der Körper, Geist und Seele umfasst und uns eine bewusste Pause von unseren täglichen Gewohnheiten ermöglicht. Durch das Innehalten werden wir aufmerksamer auf das, was uns wirklich nährt. Im besten Fall können wir sogar neue Gewohnheiten für die Zeit nach dem Fasten entwickeln. »
Vielfalt ohne Vergleich
Das Fasten beginnt mit individuellen Entlastungstagen und einem Abführen mit Glaubersalz. Den Beginn der eigentlichen Fastenwoche gestalten Mirjam Wey und Dorothea Loosli-Amstutz feierlich in der Johanneskirche. «Dieses erste Treffen ist freiwillig. Beim letzten Mal haben jedoch alle teilgenommen. Auch am Tee-Treff vor dem abendlichen Gruppentreffen fanden sich alle ein», sagt Mirjam Wey. Die Atmosphäre beschreibt sie als offen und wohlwollend. «Es spielte keine Rolle, ob jemand vollgefastet hat oder nicht, und es machte auch keinen Unterschied, ob jemand in der Kirche verankert ist oder kaum Bezug zu unseren Angeboten hatte. Alle Personen waren gleichberechtigt in die Gruppe integriert», erklärt sie.
Besonders eindrücklich erlebte Mirjam Wey das gemeinsame Fastenbrechen am Ende der Woche. «Es herrschte eine schöne, dichte Atmosphäre. Man spürte, dass alle das Fasten für sich, aber auch gemeinsam in der Gruppe erlebt hatten.» Nach dem Übergang in den Essensalltag und einem Austausch löste sich die Fastengruppe wieder auf – mit der Bitte, die Woche erneut anzubieten.
Gut eingebettet in die Fastenzeit
Fasten als spirituelle Praxis ist in vielen Religionen verbreitet – neben dem Christentum etwa im Islam und im Judentum. Im Christentum erstreckt sich die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Karsamstag. Die Fastenwoche der Kirchgemeinde Bern-Nord ist in diese Zeit integriert. Falls auch Sie die Möglichkeit nutzen möchten, bewusst innezuhalten, Traditionen zu erleben und sich auf die spirituelle Dimension des Fastens einzulassen, so sind Sie herzlich willkommen.
FASTEN IM ALLTAG
innehalten – durchatmen – neu ausrichten
Informationsabend
Dienstag, 10. Februar, 19.30 Uhr
Kirchgemeindehaus Johannes, Wylerstrasse 5
Der Besuch des Informationsabends ist für die Teilnahme verbindlich. Wer verhindert ist, wird gebeten, mit Dorothea Loosli- Amstutz Kontakt aufzunehmen.
Feierlicher Auftakt der Fastenwoche
Sonntag, 1. März, 19 Uhr
Johanneskirche, Breitenrainstrasse 26
Wort – Stille – Musik
Fastengruppen-Abende
Montag, 2. bis Freitag, 6. März, 19.30– 20.30 Uhr
Kirchgemeindehaus Johannes
Ab 19 Uhr Austausch an der Tee-Bar im Bistro Johannes
Besinnliches Fastenbrechen
Samstag, 7. März, 10 Uhr, Kirchgemeindehaus Johannes
Leitung/Informationen
Mirjam Wey
Pfarrerin
031 331 34 70
mirjam.wey@refbern.ch
Dorothea Loosli-Amstutz
ärztlich geprüfte Fastenleiterin dfa
079 377 84 73
mail@dorothealoosli.ch