VERWALTUNGSGEBÄUDE GUISANPLATZ, GEBÄUDE D

Zusammenarbeitskultur

In der bisherigen Berichterstattung über Gebäude D standen die Handwerker im Vordergrund. Doch wie wird ein solches Grossprojekt eigentlich gesteuert? Ein Gespräch über die Erfolgsfaktoren in kollektiven Prozessen und was gute Kommunikation damit zu tun hat.

Interview: sr/cae, Bilder: @Rolf Siegenthaler / Bundesamt für Bauten und Logistik BBL
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Stabile Führung, starkes Team: Seit 10 Jahren leitet Hanspeter Winkler (Mitte) das Grossprojekt Gebäude D. Er strukturiert und koordiniert als Bauherrenvertreter und Projektleiter Gebäude D zusammen mit Philipp Schild (Armeestab, Projektleiter HQ BE+), Dieter Buri, Nadja Kristina Bützer (Gesamtleiter und stellvertretende Gesamtleiterin A&V Architekten.), Stefan Wyler (Berater Nutzerorganisationen) (v.r.n.l.) und Patrick Vogel (fehlt auf dem Bild, Risk-Management).

Hanspeter Winkler, was sind aus Ihrer Sicht Aspekte guter Projektorganisation?
Winkler: Bei so einem Gebäude sind Tausende von Vorgängen zu besprechen, zu entscheiden und umzusetzen. Als ich beim Bundesamt für Bauten und Logistik zu arbeiten anfing – und damit auf die Bauherrenseite gewechselt bin –, war mir von Anfang an wichtig, klare Projektorganisationen aufzubauen, in denen möglichst alle Betroffenen zu Beteiligten werden. Ich war einer der Ersten, der nicht nur den Planer, den Fachplaner und den Bauleiter am Tisch hatte. Sondern immer, sobald klar war, wer am Ende das Gebäude nutzen wird, auch diese Nutzerschaft dabeihaben wollte. Ausserdem den Gebäudebetreiber – mit technischem und kaufmännischem Betriebsleiter. Dazu braucht es noch jemanden, dessen Aufgabe es ist, ins Projekt zu schauen und das Risikomanagement für uns mit Aussensicht zu führen.

Was bedeutet dieser ganzheitliche Ansatz für die beteiligten Menschen?
Winkler: Welche Persönlichkeiten zusammen kommen, ist bis zu einem gewissen Grad grosser Zufall. Wir wissen in anonymen Architektur-Wettbewerben nicht, mit wem wir am Schluss zusammenarbeiten werden. Dieses Projekt begann vor achtzehn Jahren, als wir im BBL das Wettbewerbsprogramm schreiben durften, und geht über die Bauwerksübergabe im Sommer 2026 hinaus. Die Leute in einzelnen Funktionen können wechseln. Wir sprechen, auf ein menschliches Leben gerechnet, über eine grosse Zeitspanne.

Dennoch, das Projekt kennzeichnet grosse Stabilität. Dieter Buri, Sie sind seit 2019 dabei, Nadja Kristina Bützer war schon an der ersten Bauetappe beteiligt. Was ist für Sie wichtig?
Buri: Klare Verantwortungsaufteilung. Die Aufgaben müssen den richtigen Parteien zugewiesen sein, und die Arbeitswege müssen untereinander klar sein. Genauso wichtig – vielleicht fast wichtiger – ist die persönliche Ebene. Was wir tun, ist ganz viel People-Business. Nach meiner Erfahrung ist die Konstellation der verantwortlichen Leute ein Schlüsselfaktor.
Bützer: Wichtig ist, dass alle die gleiche Vision haben, dass man zusammen über Ziele spricht und darüber, wie man sie erreichen möchte. Für Projektanforderungen gibt es verschiedene Lösungen. Wir wägen ab; wir konkretisieren. Dieser Prozess stärkt das Miteinander.

Was ist das Projektziel?
Winkler: Wir haben das Ziel in einem Workshop gemeinsam definiert. Mir war wichtig, das Gewinnerteam, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Aebi & Vincent Architekten, die federführend die Planer koordinieren, an zwei Schlüsseldokumenten teilhaben zu lassen. Das eine ist das Projekthandbuch, in dem die Zusammenarbeit, die Verantwortlichkeiten und Kompetenzen geregelt sind. Und das andere ist das Projektpflichtenheft, in dem die Anforderungen ans Bauprojekt beschrieben sind. Wir haben als professionelle Bauherrschaft beim BBL eine strukturierte Vorlage. In Kapitel eins steht jeweils ganz zuoberst ein kurzes, straffes Projektziel. Aus dem Kopf zitiert, lautet es für Gebäude D: «Alles, was in der ersten Etappe bei Gebäude B gut geraten ist, wird wiederholt; was nicht so gut geraten ist, machen wir besser.»

Philipp Schild, Stefan Wyler, die zukünftigen Nutzer kommen aus drei Organisationen. Wie wirkt sich das auf die Projektorganisation aus?
Schild: Unser Ziel war, die Gruppe Verteidigung zuhanden des BBL mit einer einzigen Stimme zu vertreten. Als entschieden war, dass die drei Bundesämter Armeestab, Kdo Ausbildung und Logistikbasis der Armee an diesem Standort arbeiten werden, fokussierten wir unsere Projektarbeit gezielt auf deren arbeitsspezifische Bedürfnisse. Wir haben das Projektteam, das ich führen darf, mit Nutzervertretern der drei Organisationen zusammengestellt. Unsere Aufgabe war es, die unterschiedlichen Interessen, Bedürfnisse und Kompetenzen aller Beteiligten in diesem Projektvorhaben zu berücksichtigen.
Wyler: Diese Projektorganisation hat zweifellos zum erfolgreichen Gelingen des Bauvorhabens beigetragen. Die ersten Bedarfserhebungen und Flächenkalkulationen wurden bereits vor einigen Jahren durchgeführt. Seitdem erlebten die Organisationseinheiten teilweise eine Neustrukturierung. Es war erforderlich, diesen dynamischen Entwicklungsprozess in unsere Vorgehensplanung zu integrieren und in der Flächenzuweisung, in der Raumorganisation sowie der Ausstattung des Gebäudes zu beachten.

Dieter Buri, Sie koordinieren federführend die Planer…
Buri: Ich bin übergeordneter Dienstleister. Wir haben eine ideale Konstellation, weil wir im Büro Architektur und Generalplanung vereinen. Das bedeutet für mich, dass ich mich auch für die Architektur einsetze. Wenn ich nur Generalplaner wäre und aus einer externen Position aufs Projekt schauen würde, gäbe es viele Zusammenarbeitsstufen nicht.
Bützer: Unsere Auffassung von Architektur beginnt mit Städtebau und geht bis in die Nachhaltigkeit der Produkte, die verwendet und verbaut werden. Wir überdenken, vom Material bis zur Anpassungsfähigkeit des Gebäudes durch Nutzungsänderung, einen Zeitraum von zwei Gebäudelebenszyklen – sprich 60 Jahre. In der Hoffnung, dass unser Gebäude dann noch steht und funktioniert.
Buri: Und deshalb vereint dieses Projekt für uns städtebauliche, architektonische und nachhaltige Ziele.

Statt 60 Jahre nach vorne zu schauen, würde ich gern kurz zurückblicken. Der Baubeginn fiel 2021 in eine Weltkrise. 
Patrick Vogel: Wegen der Pandemie standen Bestellungs- und Planungsrisiken im Vordergrund. Dann folgte im Frühjahr 2022 der Ukraine-Krieg. Wir konnten über das Instrument Risikomanagement die Risiken benennen und überwachen. Ziel ist dann, Lösungen zu entwickeln. Gebäude D ist ein grosses Projekt. Mein Verständnis von Grossprojekten ist, dass sie wie ein «Unternehmen auf Zeit» geführt werden müssen, in dem alle Interessengruppen ihre Aufgaben wahrnehmen. Ich als Externer, der die von Hanspeter Winkler angesprochene Aussensicht ins Projekt bringt, schäle die Nuancen der unterschiedlichen Projektziele heraus und arbeite damit – denn sie bergen Konfliktpotenzial. Meistens wird Risikomanagement als Alibiübung genutzt, nach dem Motto: Okay, jetzt müssen wir das halt auch noch machen.

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Im Fokus: Gebäude D aus nordöstlicher Perspektive – gerahmt von zwei Gebäuden der ersten Etappe, der Papiermühlestrasse mit geschütztem Baumbestand und dem Bildungszentrum für Wirtschaft und Dienstleistung BWD auf dem Wankdorfareal.
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Ein Händchen für Kleinteiliges: Daniel Werner (r.) und Mergim Seferaj haben die Sprinkleranlage montiert.
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Samir Hachem, Systemtechniker Rauchwärmeabzugsanlage, testet die Meldung auf dem Display.
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Zeitreise: Der Betonabbruch vom zurückgebauten Garagengebäude bildet als recycelter Magerbeton das Fundament für die neue Bodenplatte von Gebäude D (2022).
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Ramona Hirschi (li.) hat Schreinerin EFZ gelernt, 2024 abgeschlossen und arbeitet gern auf Montage. (2025)

Hier war es offensichtlich nicht so?
Winkler: Risikomanagement ist eine Vorgabe der Bauherrschaft. Die Frage ist, wie man es umsetzt, denn Vorgaben sind manchmal sehr abstrakt. Ich denke im Wort «Risiko» immer Chance mit. Das wird zu wenig angesprochen. Patrick Vogel hat für uns das Risiko so gut moderiert und gemanagt. Das hat uns in den Meetings zusammengeschweisst. Jedes noch so kleine Statement ist wertvoll.
Vogel: Risikomanagement bedeutet ja konkret, dass man Problemstellungen, die jeder Partner im Projekt sieht, in einem Gefäss offen diskutieren kann. In den Projektsitzungen ist man manchmal zu schnell unterwegs, um über diese Problemstellungen vertieft und in Ruhe sprechen zu können. Ausserdem ist die Schweiz ein wenig risikoavers. Die Führung vom Projekt muss daher vorleben, dass man Risikomanagement als kreativen Prozess anschaut. Das ist ein sehr kraftvolles Instrument, um ausserhalb von ordentlichen Sitzungen über Probleme zu reden. Hier hat das gut funktioniert, weil auf allen Ebenen konstruktiv damit gearbeitet worden war.
Winkler: Wir haben in der Gruppe diskutiert, wie hoch ein Schadensausmass sein könnte, wie man dem begegnen könnte und ob man dem überhaupt begegnen will. Oder ob man es in Kauf nimmt. Klar ist…

…dass alle das ernst nehmen müssen und machen wollen?
Winkler: Genau, sonst bringt es nichts.
Buri: Wenn Patrick Vogel zu mir kommt und fragt: «Was läuft im Moment und was steht an?» Dann überlege ich nicht, wie es mir gelingt, ihm möglichst nicht zu sagen, was mich beschäftigt. Wir haben stattdessen ein offenes Gespräch über Mitarbeitende, über unser Umfeld. Er ordnet, was er gehört hat, und übersetzt das in seine Risikomatrix. Diese Arbeit bringt uns nur ehrlichen Überblick, wenn ich nicht versuche, seinen Prozess zu kontrollieren.
Winkler: Das wäre auf die Dauer auch anstrengend. Mein Betrachtungszeitraum beginnt weit vor 2021 und hat so viele Facetten. Wir befinden uns hier in einem Entwicklungsschwerpunkt des Kantons und der Stadt Bern. Also eingebettet in andere Interessen. Dazu kommen das Quartier und die Nachbarschaft. Innerhalb dieses ganzen Konstrukts durfte ich den Gesamtleistungswettbewerb leiten und wesentliche Teile des Programms mitgestalten, das bis heute trägt. Für eine Projektorganisation ist es ein Glücksfall, wenn ein Büro gewinnt, das personelle und wirtschaftliche Stabilität sichert. Nadja war damals schon dabei. Mitarbeitende werden pensioniert. Andere haben gewechselt. Zehn Jahre projektieren und bauleiten ist eine lange Zeit. Man möchte ja vielleicht auch mal etwas anderes machen. Wir haben zu Beginn – Dieter, du erinnerst dich – viel Zeit investiert in die Auswahl der Fachplaner. Wir haben Präsentationen durchgeführt, weil wir die Schlüsselpersonen persönlich kennen wollten. Es kommt dem Projekt zugute, wenn man sich persönlich einbringt. Ich empfinde Projektorganisation als etwas Partnerschaftliches.

Kommt Ihnen dabei das Bild vom «Unternehmen auf Zeit» entgegen?
Winkler: Sehr. Wir verbauen 140 Millionen Franken und erbringen über rund zehn Jahre Leistung, damit am Ende die angestrebte Qualität stimmt. Dass das Gebäude noch so aussieht wie das Wettbewerbsresultat. Dass bei den politischen Vertretern Verständnis da ist und die Finanzen zur Verfügung gestellt werden. Dass im Umfeld anerkannt und geschätzt wird, was wir bauen. Ich glaube, das sind die Ergebnisse dieser Projektorganisation.

Wie wichtig ist Vertrauen?
Vogel: Ein Swissair-Manager hat mir mal gesagt, dass eine Handvoll Leute ausreichen, um ein Projekt voranzutreiben. (Ende Teil 1)

Weiterlesen Teil 2:
www.verwaltungszentrum-guisanplatz.ch > D-Bulletin 10
(ab 29. Januar 2026 aufgeschaltet)

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Eisenleger/-innen sind auf das Verlegen von Armierungseisen spezialisiert. Diese Einlagen geben dem Beton die notwendige Stabilität. (2023)
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Peter Siegenthaler (56, Bauleiter) und Severin Maibach (24, Junior-Bauleiter in Ausbildung) während der Hochbauphase. (2024)
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Doris Däpp, Bauingenieurin und Verkehrsplanerin, hat die Baustellenerschliessung von Gebäude D entwickelt. (2021)
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Herausforderung für die Maurer: Im Rohbau entstehen die Sichtbetonoberflächen. (2023)
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Tobias Siegenthaler hat 15 Jahre Berufserfahrung. Er hat mit seinen Kollegen u. a. die Glasbrüstungen gesetzt.
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Zusammen gehts leichter: Montage der Holzlamellen-Decken durch die Brüder Robert und Silvester Navara.

DAS VZG IM AFDN

Der Anzeiger Nordquartier begleitet das Projekt «Verwaltungszentrum Guisanplatz». Er hat 2020 (Ausgaben 13 und 22), 2021 (Ausgaben 2, 4, 21 und 22), 2022 (Ausgaben 9, 11, 17 und 22), 2023 (Ausgabe 14), 2024 (Ausgabe 5) sowie 2025 (Ausgaben 8 und 11) ausführlich darüber berichtet und wird seine Leser:innen auch weiterhin stets über den aktuellen Stand des Projekts informieren. Sie finden alle bisherigen Beiträge im AfdN-Archiv in den angegebenen Ausgaben.

www.afdn.ch > Archiv

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