Dieser Artikel wurde vom «Anzeiger Region Bern» zur Verfügung gestellt.

Stadt Bern

Sportvereine fordern mehr Rasensportfelder

In der Agglomeration Bern gibt es zu wenig Natur- und Kunstrasenfelder. Sportvereine wollen mit einer Initiative den Druck erhöhen. Der geplante YB-Campus in Bolligen und Ostermundigen bringe zwar eine Entlastung, reiche aber nicht.

Nik Egger
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Vertreterinnen und Vertreter von Sportvereinen fordern mehr Rasensportfelder. Foto: Nik Egger

Der Ort der Medienkonferenz am ­vergangenen Donnerstagmorgen war nicht zufällig gewählt. Der Sportplatz am Loryplatz wird von der Heim­mannschaft AS Italiana zwar humorvoll «San Siro» genannt, aber mit einem modernen Fussballtempel hat das hölzerne Garderobenhäuschen nicht viel gemein. Der marode Zustand der Sportanlage mitten in der Stadt Bern war schon vor Jahren Thema. 

Mit ernster Miene streckt Reto Zimmermann den Medienleuten denn auch einen Zeitungsartikel über den altehrwürdigen Sportplatz entgegen. 2015 errechnete die Stadt die Sanierungskosten auf 2,9 Millionen Franken, 2021 wurde das Projekt im Rahmen eines Sparprogramms auf unbestimmte Zeit verschoben. «Seit dem Artikel ist nichts mehr passiert», erklärt Zimmermann, Präsident der Stadtbernischen Vereinigung für Sport (SVS). Er und acht weitere Mitglieder des SVS haben sich an diesem Morgen eingefunden, um die Lancierung einer städtischen Volksinitiative zu verkünden. 

Zwölf Naturrasenfelder zu wenig

Die Rasensportinitiative verlangt, dass die Stadt Bern «ein bedarfsgerechtes Angebot an Rasensportfeldern für alle» sicherstellt. Kommt die Initiative zustande und wird sie vom Berner Volk angenommen, soll spätestens zehn Jahre danach die Kapazität an Rasensportfeldern um mindestens 12 000 Nutzungsstunden erhöht sein. So gross ist laut dem städtischen Sportamt nämlich das Defizit. Umgerechnet fehlen zwölf Natur- oder sechs Kunstrasenfelder. 

Leidtragende seien vor allem Kinder und Jugendliche, die ihre Wunschsportart nicht betreiben könnten, heisst es an der Medienkonferenz. Laut Lydia Dubach vom FC Breitenrain gibt es bei ihrem Verein mittlerweile eine Warteliste für Mädchen, die wegen den Kapazitätsproblemen nicht aufgenommen werden können. Und es sei damit zu rechnen, dass sich die Situation weiter zuspitze: Dubach erklärt, dass bis 2027 schweizweit mit ­einer Verdoppelung der Anzahl Frauen und Mädchen gerechnet werde, die Fussball spielen wollten – nicht zuletzt wegen der anstehenden Frauen-EM 2025 in der Schweiz.

Geplanter YB-Campus löst Defizit nur teilweise

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass in Rörswil, auf dem Gemeindegebiet von Bolligen und Ostermundigen, ein Fussballcampus mit mehreren Fussballplätzen entstehen soll. Entwickelt hat diese «Vision» der BSC YB in Zusammenarbeit mit der Stadt Bern und den beiden Standortgemeinden Bolligen und Ostermundigen. Der Sportchef der Berner Young Boys, Christoph Spycher, sagte bei der Präsentation: «Die anvisierte Lösung ist der langersehnte Befreiungsschlag in der Region Bern, sowohl für den Breiten- als auch für den Spitzensport.» An dieser Aussage hatte Reto Zimmermann wenig Freude. Er sieht den geplanten Campus zwar als Schritt in die richtige Richtung, allerdings «reiche das nicht, um den drohenden Mangel an Rasensportfeldern abzuwenden». Mit dem Campus wäre etwa die Hälfte des Bedarfs abgedeckt. Allerdings brauche es weitere Standorte und Massnahmen. 

Allmend erhitzt die Gemüter

Gemäss den Initianten wäre es wünschenswert, wenn die neuen Anlagen in unterschiedlichen Stadtteilen realisiert würden. Drei Standorte sind in Prüfung: beim Bahnhof Brünnen Westside, bei der Endstation Tram 7 in Bümpliz und bei der Rudolf-Steiner-Schule in der Nähe des Zentrum Paul Klee. Auch die Allmend ist Thema. Dort gibt es zurzeit zwei Kunstrasenfelder, auf denen 25 Teams von 15 Vereinen 8 verschiedene Sportarten betreiben. Die Idee: Parkplätze sollen in den Untergrund verlegt werden, damit mehr Nutzfläche entsteht. Allerdings steht diesem Vorhaben ein Teil der Anwohnerschaft sehr kritisch gegenüber. Und ausserdem sehen die Pläne von Stadt und BSC YB vor, dass die dadurch ermöglichten Plätze exklusiv der ersten Mannschaft von YB zur Verfügung stehen sollen. 

Nebst neuen Plätzen seien auch andere Massnahmen denkbar. So würden zahlreiche Schulhausrasen nicht genutzt, anstelle von Natur- könnte bei gewissen Anlagen Kunstrasen verlegt  werden und durch Installation von Flutlicht die Plätze abends länger genutzt werden. 

90 Prozent Fussball

Nun könnte sich der Verdacht einschleichen, dass die Rasensportinitiative doch eher eine Fussballinitiative ist. Die Anlagen werden laut Initiativkomitee denn auch zu über 90 Prozent für Fussball genutzt. Allerdings verzeichnen andere Sportvereine ebenfalls steigende Mitgliederzahlen. Beispielweise ist Ultimate Frisbee am boomen, wie Linda Läderach, Co-Präsidentin des Frisbee Club Flying Angels, vor den Medien betont. Mittlerweile gebe es in Bern drei Clubs und zehn Teams, die auf Rasensportfeldern trainierten. Dass durchaus auch andere Sportarten auf Plätze angewiesen sind, lässt ein Blick auf die Zusammensetzung des Initiativkomitees vermuten: Neben Frisbee sind da Leute aus Rugby, Softball, Pentathlon und Landhockey engagiert. Laut den Initianten sollen von den neuen Feldern dann auch alle profitieren können, unabhängig von Sportart und Leistungsniveau. 

Wie es scheint, stösst das Anliegen in der Politik auf breite Unterstützung: Mitglieder praktisch aller Stadtberner Parteien sitzen im Begleitkomitee. Damit die Initiative zustande kommt, muss aber nicht nur die Politik, sondern vor allem die Bevölkerung überzeugt werden. Der erste Schritt sind 5000 gültige Unterschriften innerhalb von 6 Monaten, damit die Initiative vor das Volk kommt.


Stadtbernische Vereinigung für Sport (SVS):

Die Vereinigung mit Sitz in Bern wurde am 28. April 1958 gegründet. Der politisch und konfessionell unabhängige Verein setzt sich für den Vereinssport in der Gemeinde Bern ein. Er will für ­seine Mitglieder in der Gemeinde Bern optimale Rahmendingungen, insbesondere Sportinfrastruktur schaffen.


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